Wie Integrität im Alltag dein Selbstvertrauen stärkt
Veröffentlicht am von Jens Heuchemer · 6 Min. Lesezeit
Inhalt6 Abschnitte

Kurz gesagt
Integrität heißt im Alltag ganz praktisch, dein Wort zu halten, auch bei Kleinigkeiten, und es nur zu geben, wenn du sicher bist, es halten zu können. So wirst du verlässlich, für andere und dich selbst. Jede gehaltene Zusage beweist dir, was du tun kannst, und daraus wächst dein Selbstvertrauen, nicht erst aus späterem Erfolg.
Antwort von Jens Heuchemer zum Buch ‚Mentale Stärke und Resilienz‘
Das Wichtigste in Kürze
- Glaube und Zweifel an dir sind beide Gedanken, die du selbst erschaffst, kein Beweis für oder gegen dich.
- Dein Wert als Mensch steht nie zur Debatte; beweisen darfst du nur deinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert.
- Gib kein Wort her, um kurz Applaus zu bekommen oder einem Konflikt auszuweichen.
- Eine einfache Probe zeigt es: Nennst du dich selbst, wenn du Menschen aufzählst, auf deren Wort Verlass ist?
- Wenn du bisher nicht gewohnt bist, dein Wort zu halten, fühlen sich Ausreden anfangs wahrscheinlich normal an, weil du sie lange trainiert hast.
Eine der häufigsten Fragen, die ich zu hören bekomme, betrifft den Moment, in dem wir uns Ziele setzen: „Wie erreichen wir, dass wir an uns glauben?“ Vielleicht kennst du die Lage, aus der sie kommt. Du hast dir etwas vorgenommen, weißt ziemlich genau, was dafür zu tun wäre, und direkt daneben sitzt der Selbstzweifel, ob du es diesmal wirklich durchziehst.
Meine Antwort darauf führt zur Integrität, und zwar zu etwas sehr Handfestem in deinem Alltag. Dazu dürfen wir uns aber zuerst bewusst machen, was der Glaube an dich und der Zweifel an dir überhaupt sind.
Glaube und Zweifel an dir sind nur Gedanken
Sowohl der Glaube an dich als auch die Zweifel an dir sind nicht echt. Beides sind Gedanken, winzige elektrisch-biochemische Impulse in Kopf und Körper, nicht mehr und nicht weniger.
Dass du etwas denkst oder fühlst, macht es noch lange nicht wahr. Es heißt nur, dass du es gerade denkst und fühlst. Wenn du also an dir zweifelst, dann nicht, weil der Zweifel recht hat, sondern weil du in diesem Moment Gedanken des Zweifelns denkst. Und wenn du an dich glaubst, dann ebenso wenig, weil es bewiesen wäre, sondern weil du dir selbst gegenüber Gedanken des Zuspruchs denkst. Beides erschaffst du zu 100 Prozent selbst.
Wenn aber beides von dir kommt, bleibt die spannende Frage. Wie machen wir es uns leichter, uns diesen Zuspruch zu geben und die Emotion, die dazugehört, auch wirklich zu fühlen?
Wann du dir selbst Zuspruch erlaubst
Leichter wird es, indem wir integer werden. Integrität ist eine der wichtigsten und zugleich seltensten Eigenschaften in unserer Gesellschaft, weil die meisten sie irgendwo in der Abstellkammer abgestellt haben, im Regal direkt neben den eingelegten Pflaumen.
Warum hilft gerade das beim Zuspruch? Schau dir an, ab wann sich die meisten Menschen erlauben, sich selbst gut zuzusprechen. Sie tun es erst, wenn sie den Zuspruch für gerechtfertigt halten, und gerechtfertigt erscheint er ihnen, sobald sie ein Gefühl von Wert mit sich verknüpfen.
Dein Wert als Mensch ist dabei unantastbar. Er stand nie zur Debatte und ist zu jedem Zeitpunkt vollkommen. Unter Beweis stellen darfst du etwas anderes, nämlich deinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert. Und erst wenn wir diesen Wert aufbauen und sehen, fällt es uns leichter, an uns zu glauben.
Vielleicht sagst du jetzt: „Ja, Jens, aber wenn ich erst einmal wirtschaftlichen Wert erschaffen habe, kann ich mehr an mich glauben.“ Das ist allerdings normalerweise nicht die Reihenfolge, in der es abläuft, auch wenn Ausnahmen hier die Regel bestätigen. Zuerst geben wir uns den Zuspruch und glauben an uns, und erst dadurch bekommen wir den Aufschwung, um diesen Wert richtig aufzubauen. An dieser Stelle kommt die Integrität wieder ins Spiel.
Je mehr Integrität wir als Menschen haben, desto mehr beweisen wir uns selbst, was wir tun können, und desto mehr „Glauben“ entwickeln wir uns selbst gegenüber.

Integrität in der Praxis heißt, dein Wort zu halten
Was bedeutet das in der Praxis? Eine der größten Eigenschaften mental schwacher Menschen ist, das eigene Wort zu brechen, und eine der größten Eigenschaften mental starker Menschen ist es, es zu halten. Das fängt bei vielen täglichen Kleinigkeiten an. Wenn du deiner Partnerin oder deinem Partner sagst, dass du um 14 Uhr den Müll rausbringst, dann bringst du gefälligst bis spätestens um 14 Uhr den Müll raus. Egal, was du gerade tust, um 14 Uhr lässt du es liegen.
Und wenn du vorher nicht sicher bist, ob du dein Wort halten kannst, dann gibst du es gar nicht erst her, weder um im Augenblick wie eine Zecke Applaus und Zuspruch zu ziehen noch um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen.
Sei ein Mensch, bei dem andere und besonders du selbst darauf vertrauen können, dass es auch so passieren wird, wenn er etwas zusagt!
Das ist gelebtes Selbstvertrauen, und genau das bedeutet es, integer zu sein. Damit schließt sich auch der Kreis zum Wert von eben. Wenn andere dir so vertrauen, hast du einen gesellschaftlichen Wert, und im Job oder im eigenen Business schaffst du schon durch diese eine Eigenschaft einen wirtschaftlichen Wert, auf den sich andere verlassen können.
Und weil jedes gehaltene Wort dir selbst beweist, was du tun kannst, ist Integrität der Schlüssel, wenn du mehr an dich glauben und Selbstzweifel loswerden willst. Wer sein Wort dagegen immer wieder bricht, weiß irgendwann selbst, dass seine Ankündigungen nichts wert sind, und die anderen wissen es auch.
Stehst du selbst auf der Liste der Menschen, denen du vertraust?
Wie sieht es bei dir mit dem Teil „besonders du selbst“ aus? Mach dazu eine kleine Probe und nimm dir vor dem Weiterlesen 20 Sekunden. Zähl in Gedanken die Menschen auf, auf die du dich immer verlassen kannst, weil sie ihr Wort halten.
Hast du alle aufgezählt? Dann kommt meine zusätzliche Frage an dich. Hast du bei diesen Menschen auch dich selbst genannt? Wenn nicht, lohnt es sich, kurz darüber nachzudenken, warum nicht. Und wenn du jetzt sagst: „Ich habe mich einfach vergessen, ich habe nur an andere gedacht“, dann schaue ich dich etwas schräg von der Seite mit hochgezogener Augenbraue an und frage dich, warum du nicht selbst der Mensch bist, den du am meisten mit Vertrauen verbindest.
Denn wenn du Ziele hast, ist das Vertrauen in dich die Grundvoraussetzung, um sie zu erreichen. Kannst du dieses Vertrauen nicht aus dir selbst heraus aufrechterhalten, heißt das im Umkehrschluss, dass du gerade eher denkst, du wirst es nicht schaffen. Dann spielst du womöglich nur noch mit, um deinen Freunden hinterher dramatisch erzählen zu können, warum es nicht geklappt hat. Sehr beliebt ist dabei der Satz „Es hat einfach nicht sein sollen“. So bestätigt sich der Zweifel am Ende scheinbar selbst, obwohl er von Anfang an nur ein Gedanke war.
Gib dein Wort nur noch bewusst und halte es dann
Daraus ergibt sich deine Aufgabe, und sie gilt ab jetzt bis zum letzten Tag.
Gib dein Wort für etwas nur noch bewusst! Und wenn du es gibst, dann halte es!
Das ist eine ganz simple Aufgabe. Sagst du jemandem zu, ihn um 17 Uhr abzuholen, dann bist du um 17 Uhr da. Ist um diese Zeit Feierabendverkehr, rechnest du damit und fährst früher los. Und das gilt genauso für das Wort, das du dir selbst gibst, denn gerade du selbst sollst darauf vertrauen können.
Ich verspreche dir, je bewusster du diese Aufgabe Tag für Tag erfüllst, desto schneller wird sich in deinem Leben eine Veränderung zeigen. Du wirst auch schneller merken, wen in deinem Umfeld du wirklich um dich haben willst, nämlich die Menschen, die zu dir als jemandem mit hohem Selbstvertrauen passen.
Rechne allerdings mit Gegenwind aus deinem eigenen Kopf. Wenn du dich bisher nicht darin trainiert hast, integer zu sein, hast du dich wahrscheinlich darin trainiert, Ausreden gut zu rechtfertigen. Deshalb kann es gut sein, dass dir dein Ego anfangs immer wieder einreden will, eine Ausrede sei doch okay, und dass sich das sogar normal anfühlt. Unterschätze nicht, wie viel Momentum und Übung in diesen destruktiven Gedanken steckt, besonders wenn du sie über Jahre trainiert hast. Gerade deshalb gilt die Aufgabe jeden Tag.
Selbstvertrauen musst du also nicht abwarten. Mit jeder Zusage, die du bewusst gibst und dann hältst, gibst du dir selbst einen Grund dafür, auch beim Müll um 14 Uhr. So wirst du Schritt für Schritt zu dem Menschen, der dir als Erstes einfällt, wenn du an jemanden denkst, auf dessen Wort Verlass ist. Und von dort aus fällt dir der Zuspruch für deine Ziele leichter.
Häufige Fragen
Was genau bedeutet Integrität im Alltag?
Integrität im Alltag heißt, dass du tust, was du angekündigt hast. Das beginnt bei Kleinigkeiten wie einer Uhrzeit, die du jemandem zugesagt hast. Und es heißt ebenso, eine Zusage gar nicht erst zu machen, wenn du nicht weißt, ob du sie einhalten kannst.
Welche Beispiele gibt es für integres Verhalten?
Ein einfaches Beispiel ist die Zusage an deinen Partner oder deine Partnerin, zu einer bestimmten Uhrzeit den Müll rauszubringen, und das dann auch pünktlich zu tun. Genauso gehört dazu, beim Abholen rechtzeitig da zu sein, auch wenn du wegen des Feierabendverkehrs früher losfahren musst. Verlässlich ist auch, wer eine Zusage zurückhält, statt sie für einen Moment Beifall herzugeben.
Woher kommt Selbstvertrauen?
Selbstvertrauen kommt aus dem Zuspruch, den du dir selbst gibst, denn der Glaube an dich ist ein Gedanke, den du erschaffst. Leichter fällt dir dieser Zuspruch, wenn du integer bist, weil du dir mit jeder eingehaltenen Zusage selbst zeigst, was du kannst. Die Reihenfolge ist dabei meist nicht erst Erfolg und dann Glaube, sondern umgekehrt.
Warum zweifle ich an mir?
Oft zweifelst du an dir, weil dir das Vertrauen in dich selbst fehlt, etwa wenn du dein Wort schon oft gebrochen hast und selbst weißt, dass deine Ankündigungen wenig wert sind. Dann rechnest du eher damit, es nicht zu schaffen, und spielst bei deinem Vorhaben nur mit, bis am Ende eine Ausrede steht. Der Zweifel selbst ist dabei kein Beweis, sondern ein Gedanke, den du gerade denkst.