Ziele erreichen: Jeden Tag deine Schritte gehen, ohne gegen dich anzukämpfen

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Inhalt5 Abschnitte
Schaubild: Schritte gehen und Ohne Widerstand führen mit Pfeilen zu Ziele erreichen

Kurz gesagt

Ziele erreichen heißt, ein Ziel zu wählen, das du willst, den Aufwand einzuschätzen, dir dein Wort zu geben und jeden Tag deine Schritte ohne mentalen Widerstand zu gehen. Dass du trotz besseren Wissens nicht handelst, liegt nicht an fehlender Willenskraft, sondern an deiner Geschichte über dich selbst. Auch Tage ohne sichtbaren Fortschritt bringen Klarheit.

Antwort von Jens Heuchemer zum Buch ‚Mentale Stärke und Resilienz‘

Das Wichtigste in Kürze

  • Disziplin ist kein Kraftakt, sondern die Geisteshaltung hinter einem Handeln, das du kontinuierlich wiederholst.
  • Körperliche Anstrengung und mentaler Widerstand sind zwei verschiedene Dinge, schwer macht es nur der Widerstand, den du selbst denkst.
  • Dein Selbstbild ist eine Auswahl wiederholter Gedanken über dich, und nach ihm handelst du.
  • Spürst du vor dem Losgehen Widerstand und kannst deine Gedanken schon gut kontrollieren, solltest du nicht dagegen ankämpfen, sondern dich in wenigen Minuten vorher mental ausrichten.
79. Der unnötig harte Weg zum Erfolg und wie du ihn verhinderst! · Auf YouTube ansehenBeim Abspielen überträgt YouTube (Google) Daten, es gelten deren Datenschutzhinweise und unsere Datenschutzerklärung.

Du willst deine Ziele erreichen und weißt eigentlich ziemlich genau, was dafür zu tun wäre, zum Beispiel spätestens jeden zweiten Tag Sport zu machen. Trotzdem passiert es nicht, und die übliche Erklärung kennst du vermutlich längst: Dir fehle eben die Disziplin.

Lass uns den Weg zum Sport deshalb einmal in seine Einzelteile zerlegen. Ist es schwer, deine Sporttasche zu packen? Ist es schwer, ins Auto zu steigen oder dich im Fitnessstudio umzuziehen? Nein, nichts davon. Die Gewichte zu bewegen ist körperlich anstrengend, ja, doch mental schwer wird es nur, wenn du dich dafür entscheidest. Wenn aber keiner dieser Schritte mental schwer ist, was soll Disziplin dann eigentlich sein?

Disziplin ist eine Geisteshaltung, kein Kraftakt

Für viele Menschen ist Disziplin ein K.-o.-Wort und etwas Schweres. Den Begriff hörst du vor allem von denen, die sich eine Sache mit viel Kampf und Anstrengung aufgebaut haben. Lass uns deshalb zuerst sagen, was Disziplin nicht ist. Sie ist nichts Schweres und nichts Hartes, sondern in erster Linie die Geisteshaltung hinter einem bestimmten Handeln, das du kontinuierlich wiederholst. Ob jemand diszipliniert wirkt, hängt außerdem davon ab, von welcher Seite du auf dieses Handeln schaust. Ich persönlich rauche nicht. Schaust du vom Nichtrauchen aus, bin ich also ein disziplinierter Nichtraucher, schaust du vom Rauchen aus, ein undisziplinierter Raucher.

Gerade dieses kontinuierliche Handeln ist der Punkt, denn kaum ein Ziel erreichst du mit einer einmaligen Handlung. Ob du ein Business aufbauen, eine erfüllende Beziehung führen oder körperlich fitter werden willst, all das braucht Kontinuität. Warum fällt Disziplin dann so vielen Menschen schwer? Weil es ihnen an mentaler Stärke fehlt. Das klingt unspektakulär, ist aber wahr. Deine Geisteshaltung ist nichts anderes als eine Ansammlung von Gedanken, die du fokussiert aufrechterhältst. Gelingt dir das nicht, driftest du ins Unbewusste ab, und die Gedanken des Widerstands übernehmen das Ruder.

Disziplin ist also nicht schwer, sondern nur eine Ansammlung an trainierten Gedanken.

Die Geschichte, die du über dich erzählst, entscheidet den Ausgang

Wenn Disziplin aus Gedanken besteht, liegt die nächste Frage nahe, um welche Gedanken es dabei geht. Nimm eine Person, die fitter werden und 15 kg abnehmen will. Ob sie sich an ihren Ernährungsplan hält und drei bis vier Mal die Woche trainiert, liegt an nichts anderem als an ihren Gedanken zum Sport. Schwer machen kann sie es sich nur in ihrer eigenen Realität, indem sie Gedanken des Widerstands aufrechterhält.

Dan Lok hat in einem TED Talk erklärt, warum Raucher rauchen und Läufer morgens um sechs zum Laufen aufstehen. Raucher rauchen, weil sie in ihrem Selbstbild Raucher sind, und Läufer laufen, weil sie sich als Läufer sehen. Und was ist ein Selbstbild? Nichts weiter als eine Auswahl an Gedanken, die wir immer wieder über uns selbst denken. Braucht ein Raucher Disziplin, um seine 20 Zigaretten am Tag zu rauchen? Nein, denn für ihn ist das vollkommen normal.

Damit erklärt sich, warum du nicht tust, was du längst weißt. Der einzige Grund, warum Menschen nicht diszipliniert sind, ist die Geschichte, die sie über sich erzählen. Sie erschafft als logische Konsequenz einen anderen Ausgang, und dieser Ausgang ist voller Widerstand gegen genau die Handlung, die zum erstrebten Ziel führen würde.

Oft höre ich an dieser Stelle: „Ja, Jens, wenn es so einfach ist, warum läufst du dann keine Marathons?“ Ich laufe keine, weil ich im Moment (noch) keine laufen will. Mentale Stärke bringt dich an den Punkt, an dem du frei entscheidest und zugleich weißt, dass du es auch einfach machen könntest. Denn gegen etwas, wozu ich mich entscheide und wofür ich mein Wort gebe, habe ich keinen mentalen Widerstand.

Jeden Tag deine Schritte, auch ohne sichtbaren Fortschritt

Wie sieht das aus, wenn du dich für ein Ziel entscheidest und dir dein Wort gibst? Sobald du mentale Stärke trainierst und Bewusstheit im Alltag aufrechterhalten kannst, sieht der Weg so aus:

  1. Du suchst dir ein Ziel, das du aus dir heraus erreichen willst.
  2. Du überlegst, wie viel Aufwand dafür nötig ist.
  3. Du gibst dir selbst dein Wort.
  4. Du tust, was nötig ist, ohne mentalen Widerstand, und zwar nicht einmal, sondern kontinuierlich.

Damit bist du ganz nebenbei "diszipliniert". Mein Tipp ist demnach: Fokussiere dich nicht darauf, diszipliniert zu sein. Sondern darauf, mehr und mehr zu der Person zu werden, für die es normal ist, die Dinge zu tun. Disziplin ist dann einfach der Nebeneffekt, den andere dafür nutzen, um dein Erfolgsrezept zu beschreiben.

Was aber ist mit den Tagen, an denen sich scheinbar nichts bewegt? Stell dir dazu einmal vor, du wärst ein Roboter, ganz stoisch, und dein Ziel bräuchte angenommen 1000 Schritte. Du gehst jeden Tag zehn davon und bist nach 100 Tagen dort. Zu diesen zehn Schritten gehören auch solche, mit denen du etwas testest oder korrigierst. Ein Tag, an dem du objektiv nicht weitergekommen bist, ist deshalb nicht verloren, denn danach siehst du klarer, was funktioniert und was nicht, und kannst dein Vorgehen am nächsten Tag anpassen.

Würde dieser Roboter an sich zweifeln oder sich eine Leidensgeschichte erzählen? Nein, und genau das zeigt, dass sie unnötig ist. Die Geschichte „Schon wieder Stunden investiert, und wieder hat es nicht geklappt“ wählst du selbst, denn niemand zwingt dich in diese Schiene. Du kannst stattdessen feststellen, dass etwas nicht funktioniert hat, und das Nächste ausprobieren. Wenn du weitermachst, dein Tun immer wieder reflektierst und daraus lernst, ist es im Grunde unmöglich, dass keine Ergebnisse kommen. Dein Weg zum Ziel ist also simpel, weil Kontinuität und Anpassung durch Reflexion genügen.

Vier Kästen in einer Reihe mit Pfeilen: Ziel, Aufwand, dein Wort, kontinuierlich tun
Der Weg zum Ziel in vier Schritten, vom eigenen Ziel bis zum kontinuierlichen Tun ohne Widerstand.

Richte dich aus, bevor du handelst

Offen ist noch der Moment, in dem der Widerstand schon da ist, bevor du überhaupt losgehst. In der Persönlichkeitsentwicklungsszene heißt es dann meist, du solltest es einfach tun, auch wenn du dich nicht danach fühlst. Für viele ist das ein guter Ansatz, um aus der Opferhaltung herauszukommen. Die Wortwahl dahinter finde ich trotzdem schrecklich, weil sie das Handeln zu einem Kampf gegen dich selbst macht. Der Weg, den ich dir hier zeige, ist für dich, wenn du schon merkst, dass du deine Gedanken gut kontrollieren kannst. Kannst du das noch nicht, ist das einfache Tun für den Moment absolut nicht verwerflich, und du kannst dich zu diesem Weg hintrainieren, wenn du es willst und bereit bist. Im Englischen sagt man dazu „Align before you act“, auf Deutsch:

Richte dich aus, bevor du handelst.

Angenommen, du hast dir vorgenommen, am Montagmorgen zum Sport zu gehen, und fühlst dich gerade nicht danach. Statt trotzdem zu gehen und dir zu beweisen, dass du keine Ausreden zulässt, holst du dir zuerst die Klarheit, dass dieses Gefühl faktisch nicht viel aussagt. Es zeigt nur, dass du gerade im Widerstand zum Sport bist und die Lage bewertest. Anstatt gegen das Gefühl anzukämpfen, setzt du dich drei oder vier Minuten hin und suchst nach Gedanken, bei denen dieser Widerstand erst gar nicht entsteht. Dafür musst du nichts weiter tun, als den Fokus deiner Gedanken auf das zu richten, was du am Ende willst. Dadurch hörst du immer mehr damit auf, die Illusion des Kampfes überhaupt erst zu erschaffen. Danach ist der Widerstand, gegen den du eben noch kämpfen wolltest, nicht mehr da.

Vielleicht fragst du dich jetzt, ob du so überhaupt noch ins Handeln kommst. Zu glauben, man komme nicht in die Umsetzung, wenn man sich zuerst ausrichtet, ist absoluter Quatsch, denn du kannst genauso viel tun und sogar mehr, weil du dich nicht ständig selbst ausbremst. Am Anfang kann es sich ungewohnt anfühlen, nicht sofort zu handeln, und das Ausrichten dauert dann noch etwas länger. Gerade so trainierst du aber, dass es schon bald in wenigen Momenten geschieht.

Du musst deine Ziele weder gegen dich selbst erkämpfen noch auf sichtbare Erfolge warten, um weiterzumachen. Wenn du dir dein Wort für deine täglichen Schritte gibst und sie ohne Widerstand gehst, hört Disziplin auf, ein Kraftakt zu sein. Sie wird zur logischen Konsequenz der Gedanken, die du über dich selbst denkst.

Häufige Fragen

Warum klappt mein Plan nicht, obwohl ich weiß, was ich tun müsste, um meine Ziele zu erreichen?

Weil nicht dein Wissen über den Ausgang entscheidet, sondern die Geschichte, die du über dich selbst erzählst. Solange du dich nicht als jemanden siehst, der diesen Plan lebt, hältst du Gedanken des Widerstands gegen genau die Handlung aufrecht, die dich weiterbringt. Disziplin ist dabei keine Kraft, die dir fehlt, sondern das Ergebnis von Gedanken, die du trainiert hast.

Werde ich faul, wenn ich meine Ziele ohne Druck erreichen will?

Nein, das ist eine grundlegende Fehlinterpretation. Wer ohne Druck handelt, will seine Ziele aus einer Freiheit heraus, ohne den Zwang, damit etwas Bestimmtes zu erreichen. Er gibt sich trotzdem sein Wort und tut nicht nur ein einziges Mal, sondern immer wieder, was nötig ist, und genau das ist Disziplin.

Wie bleibe ich beim Ziele erreichen dran, wenn Ergebnisse noch nicht sichtbar sind?

Indem du jeden Tag als Teil des Weges nimmst, auch wenn er dich objektiv nicht weitergebracht hat. Ein solcher Tag zeigt dir, was funktioniert und was nicht, und genau das baust du in deine nächsten Schritte ein. Ob du dir dazu eine Leidensgeschichte erzählst, entscheidest du selbst.

Kann man zufrieden sein und trotzdem ehrgeizig Ziele erreichen?

Ja. Wenn du deine Ziele nicht mehr aus einem Mangel heraus erreichen musst, um dich aus einer Lage zu befreien, kannst du sie verfolgen, weil du einfach Lust darauf hast. Dein Ehrgeiz verschwindet dadurch nicht, du gehst deinen Zielen weiter kontinuierlich nach, nur ohne dir einzureden, dass das Jetzt erst mit dem erreichten Ziel vollkommen wird.

Porträt von Jens Heuchemer
Zur Person

Über Jens Heuchemer

Jens Heuchemer ist SPIEGEL-Bestsellerautor, Coach und Experte für mentale Stärke und persönliche Transformation. Mit seinem Buch „Mentale Stärke und Resilienz“ zeigt er, wie Menschen innere Stärke entwickeln, mentale Blockaden mit Leichtigkeit überwinden und ein selbstbestimmtes Leben führen.

Mehr über Jens HeuchemerWebsite: jens-heuchemer.com

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