Eifersucht und Neid: Was dir diese Gefühle über dich selbst zeigen

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Schaubild: Eifersucht und Neid führen beide mit Pfeilen zu einer Karte mit der Beschriftung Hinweise

Kurz gesagt

Eifersucht ist die Reaktion auf die Angst, eine wichtige Bindung an eine dritte Person zu verlieren. Neid entsteht, wenn dir etwas zu fehlen scheint, das ein anderer hat. Du darfst beide Gefühle zulassen, denn sie sind Hinweise; Schaden entsteht erst, wenn du sie abblockst oder dich nach dem Vergleich abwertest.

Antwort von Jens Heuchemer zum Buch ‚Mentale Stärke und Resilienz‘

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer seinen Neid nur abblocken will, landet im Widerstand und in der Ohnmacht, denn dafür müsste er einen anderen Menschen kontrollieren.
  • Ein Vergleich zeigt dir einen neutralen Unterschied; was dein Glück angreift, ist die Bewertung, die danach in deinem Kopf folgt.
  • Neid macht sichtbar, was du selbst willst; danach prüfst du, ob der Wunsch aus dem Ego oder aus Fülle kommt.
  • Hinter Eifersucht steckt die Frage, wo du in einer Beziehung noch abhängig bist und wie du aus dir selbst heraus stabiler wirst.
89. Was dir deine Emotionen wirklich sagen. · Auf YouTube ansehenBeim Abspielen überträgt YouTube (Google) Daten, es gelten deren Datenschutzhinweise und unsere Datenschutzerklärung.

Viele Menschen nennen Eifersucht eine richtig eklige Emotion, und ehrlich gesagt verstehe ich das. Ich persönlich bin auch kein Freund davon. In meiner privaten Sicht, also in meiner Realität als Jens und nicht in der als Coach, spiegelt Eifersucht eine gewisse Form von Schwäche wider. Diese beiden Sichten halte ich bewusst auseinander. Beim Neid geht es vielen ähnlich. Wer hat nicht schon einmal über andere gedacht: „Was hat der für Geld?“ oder „Was führt die für ein Leben?“

Kein Wunder, dass du dich vielleicht fragst: Darfst du diese Gefühle überhaupt zulassen, oder musst du sie so schnell wie möglich loswerden? Trotz meiner Abneigung lese ich Eifersucht nicht als etwas, das wegmuss, sondern als Hinweis, und beim Neid ist es genauso.

Wer Neid wegschiebt, macht sich indirekt zum Gefangenen seiner Gefühle

Eifersucht ist im Grunde die Antwort auf eine Bedrohung, die du wahrnimmst, nämlich dass du eine Bindung an eine dritte Person verlieren könntest. Diese Bedrohung kann echt sein oder nur in deinem Kopf existieren. Neid entsteht dagegen, wenn du den Eindruck hast, ein anderer besitze etwas, das dir wichtig ist und dir fehlt. Beides fühlt sich unangenehm an, und wenn sogar ich Eifersucht nicht mag, liegt es nahe, solche Gefühle einfach wegzuschieben.

Doch was passiert eigentlich, wenn du ein Gefühl wegschiebst? Am Neid lässt sich das gut zeigen. Wenn du ihn direkt abblockst und als etwas total Schlimmes ansiehst, bist du dagegen im Widerstand. Widerstand heißt hier schlicht, dass du das Gefühl nicht haben willst und dich innerlich dagegenstemmst. Daraus wird schnell Ohnmacht, denn der Anlass deines Neids ist ja das, was ein anderer hat. Damit das Gefühl verschwindet, müsstest du dann im Grunde diese Person kontrollieren, und das geht natürlich nicht. Deshalb wirst du noch neidischer, und am Ende bist du ein Gefangener deiner eigenen Emotionen.

Ablauf aus vier Kästen: Neid führt zu Widerstand, dann zu Ohnmacht und zum Gefangenen der Emotionen
Wer Neid abblockt, gerät Schritt für Schritt von Widerstand über Ohnmacht in die Gefangenschaft der eigenen Gefühle.

Nicht das Vergleichen tötet dein Glück, sondern deine Bewertung

Wenn das Wegschieben dich gefangen hält, stellt sich die Frage, wo der Schaden eigentlich entsteht. Neid beginnt mit einem Vergleich, mit dem Blick auf das, was ein anderer hat und du nicht. Genau gegen dieses Vergleichen richten sich die Sprüche, die ich in der Persönlichkeitsentwicklungsszene überall lese und höre, etwa „Der Vergleich tötet dein Glück“ oder „Vergleich dich nicht“. Ich verstehe die Intention hinter diesen Kalenderspruch-Weisheiten. Die Formulierung ist trotzdem destruktiv, weil sie dir ausgerechnet das wegnimmt, was dir ein Vergleich aufzeigen kann.

Ein Vergleich zeigt dir nämlich einen Unterschied. In Mentale Stärke und Resilienz nenne ich so etwas bewusst Kontrast und nicht Schmerz, weil Schmerz sofort negativ besetzt ist. Ein Kontrast ist weder gut noch schlecht. Stell ihn dir wie einen schwarzen Strich auf einem weißen Blatt vor. Weiß und Schwarz stehen nur nebeneinander, und aus diesem Gegensatz kannst du wählen, was du willst und was nicht.

Doch der ausschlaggebende Punkt ist hier, dass nicht das Vergleichen dein Glück tötet, sondern deine Bewertung, die nach dem Vergleich im unkontrollierten Verstand folgt!

Für das Gefühl, das nach einem Vergleich auftaucht, gilt etwas anderes als für die Bewertung, denn es gibt keine guten oder schlechten Emotionen. Sie sind erlebbare Wegweiser, die dir zeigen, ob deine Gedanken dich gerade zu deinem Ziel bringen oder nicht. Jede Emotion hat für dich einen Mehrwert, auch Neid und Eifersucht. Das Problem ist also das, was du nach dem Neid über dich denkst.

Neid zeigt dir, was du willst, Eifersucht, wo du noch abhängig bist

Wenn das Gefühl selbst nur ein Wegweiser ist, bleibt die Frage, wohin Neid und Eifersucht jeweils zeigen. Fangen wir beim Neid an. Du kannst dich über das Geld oder das Leben eines anderen aufregen und in Geschichten verfallen, warum es bei dir nicht so ist. Oder du nimmst das Gefühl und findest darin die Klarheit, was du eigentlich auch willst. Danach kommt ein zweiter Schritt. Du prüfst, ob dieser Wunsch nur aus dem Ego kommt oder ob du es wirklich willst, aus einer Fülle heraus. Die Richtung, in die du gehen möchtest, zeigt dir das Gefühl so oder so.

Bei der Eifersucht funktioniert es ähnlich. Statt dich vom Gefühl mitreißen zu lassen, hältst du kurz an und fragst dich, was du gerade glaubst. Die Antwort lautet dann etwa, dass du deine Beziehung durch eine andere Person oder einen Umstand gefährdet siehst. Aus dieser Antwort ergeben sich drei Fragen an dich selbst.

  1. Wo bin ich vielleicht noch abhängig?
  2. Wo will ich unabhängiger werden?
  3. Wie stelle ich mich auf, damit ich in der Beziehung stabiler und aus mir selbst heraus sicherer bin?

So wird aus einem Gefühl, gegen das du sonst ankämpfen würdest, eine Information über die Stelle, an der deine Sicherheit noch an einem anderen Menschen hängt.

Nach dem Vergleich einen anderen Gedanken wählen

Wie sieht das im Alltag aus? Stell dir vor, du siehst jemanden, der in der gleichen Zeit ein fünfmal so großes Business aufgebaut hat wie du. Der bewertende Gedanke liegt nahe: „Puh, ich bin echt ein Loser.“ Dieser Gedanke entsteht ganz offensichtlich aus Mangel. Doch du kannst denken, was und wann du willst. Du wählst also schlichtweg einen anderen Gedanken, zum Beispiel „Puh, das ist krass!“, und erkennst, dass so etwas offenbar möglich ist. Gleich danach kommt der Entschluss: „Das schau ich mir genauer an. Denn das will ich auch.“ Es folgen kein Widerstand und kein Gejammer, und mit diesem anderen Gedanken erschaffst du dir buchstäblich eine andere Realität, die dir mehr dient.

Bei der Eifersucht übernehmen die drei Fragen von oben diese Aufgabe. Sobald du merkst, dass du deine Beziehung bedroht siehst, stellst du dir diese Fragen, statt beim bewertenden Gedanken stehen zu bleiben.

Vielleicht denkst du jetzt: „Ich bin eben ein emotionaler Mensch, ich lasse sowieso alles zu.“ Doch jeder Mensch hat Emotionen, und dieser Satz ist oft nur eine Ausrede dafür, die eigenen Gedanken kreuz und quer schweifen zu lassen. Zu sagen, dass du deine Emotionen ohne Widerstand zulässt, passt nur, wenn du weißt, dass du das Gefühl mit deinen Gedanken selbst erzeugt hast. Dann lässt du die Emotion einmal komplett wirken und wieder abklingen.

Heißt das, du sollst deine Gefühle unterdrücken? Ganz im Gegenteil.

Fühl sie alle! Doch fühl sie bewusst und ohne Identifikation, die dafür sorgt, dass sich deine gesamte Realität nur noch um diese Emotion dreht.

Wenn du Neid und Eifersucht auf diese Weise als Werkzeug liest, hören sie auf, Ballast zu sein, und werden zu einer Bereicherung. Du bist dann nicht mehr der Gefangene deiner Gefühle, sondern gewinnst aus jedem einzelnen Klarheit über das, was du wirklich willst, und über die Richtung, in die du gehen möchtest.

Häufige Fragen

Was kann man gegen Eifersucht tun, statt sie zu bekämpfen?

Du kannst sie als Frage an dich nutzen, statt gegen sie anzukämpfen. Solange du Eifersucht nur loswerden willst, bleibt sie eine Last. Hilfreicher ist es, herauszufinden, welche Bedrohung du gerade annimmst und wo du dich noch von einem anderen Menschen abhängig machst. Daraus ergibt sich, wie du dich so aufstellst, dass deine Sicherheit aus dir selbst kommt.

Was ist der Unterschied zwischen Neid und Eifersucht?

Eifersucht dreht sich um eine Bindung, Neid um etwas, das ein anderer hat. Eifersüchtig wirst du, wenn du eine Beziehung durch eine dritte Person oder einen Umstand bedroht siehst; neidisch, wenn dir scheint, dir fehle etwas Wichtiges, das der andere besitzt. Ich lese Neid als Hinweis auf einen eigenen Wunsch und Eifersucht als Hinweis auf eine Abhängigkeit.

Was sagt Neid über eine Person aus?

Neid sagt vor allem etwas darüber aus, was diese Person selbst erreichen möchte. Allgemein gilt er als Zeichen dafür, dass jemand meint, ihm fehle etwas Wichtiges. Ob dieser Wunsch wirklich der eigene ist oder nur aus dem Ego kommt, verrät das Gefühl allein noch nicht; das gilt es danach zu prüfen.

Wann ist Eifersucht in einer Beziehung berechtigt?

Von begründeter Eifersucht spricht man, wenn es im Verhalten des Partners konkrete Anzeichen gibt, etwa wenn er auf einmal spürbar weniger Zeit für die Beziehung hat. Ohne solche Anzeichen gilt sie als unbegründet. Die Bedrohung, auf die das Gefühl reagiert, kann also real sein oder nur in der eigenen Vorstellung existieren.

Porträt von Jens Heuchemer
Zur Person

Über Jens Heuchemer

Jens Heuchemer ist SPIEGEL-Bestsellerautor, Coach und Experte für mentale Stärke und persönliche Transformation. Mit seinem Buch „Mentale Stärke und Resilienz“ zeigt er, wie Menschen innere Stärke entwickeln, mentale Blockaden mit Leichtigkeit überwinden und ein selbstbestimmtes Leben führen.

Mehr über Jens HeuchemerWebsite: jens-heuchemer.com

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