Wut bei Kindern: Wenn hinter dem Ärger Traurigkeit steckt

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Inhalt5 Abschnitte
Schaubild: Zwei Karten Traurigkeit und Angst führen mit Pfeilen nach oben zu einer größeren Karte Wut

Kurz gesagt

Wut bei Kindern ist manchmal der Weg, auf dem ein anderes Gefühl nach außen drängt, etwa Traurigkeit oder die Angst, einen Freund zu verlieren. In Anika Pätzolds Geschichte wird der Schuljunge Benni schroff, weil er nicht weiß, wie er seine Traurigkeit sonst zeigen soll. Der Ärger löst sich erst, als jemand die Angst darunter anspricht.

Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘

Das Wichtigste in Kürze

  • Bennis Ärger richtet sich scheinbar gegen den Schachklub, gemeint ist aber die Freundschaft zu Thomas.
  • Thomas antwortet mit Nähe und einer Zusage, und Bennis Anspannung fällt ab.
  • Ein „Es ist nichts“ kann in den Geschichten des Buchs bedeuten, dass ein Kind fürchtet, nicht verstanden zu werden.
  • Am Ende nimmt sich Benni vor, beim nächsten Mal viel früher über seine Ängste zu sprechen.

Benni sitzt am Frühstückstisch und hört nicht, dass seine Mutter ihn um den Kaffee bittet. Erst als sie fragt, ob er überhaupt anwesend sei oder noch träume, greift er nach der türkisfarbenen Kanne und stößt dabei mit dem Ellenbogen sein Frühstücksei vom Tisch. Der Vater fragt, ob Benni heute nicht gut drauf sei. Die Mutter erklärt es sich damit, dass der erste Schultag nach zwei Wochen mit Computerspielen und Ausschlafen eben komisch sein könne.

Benni gibt ihr recht, weil er am frühen Morgen keine Lust auf eine Diskussion hat. In Wahrheit plagen ihn ganz andere Probleme, und wenn er nicht bald eine Lösung findet, wird das restliche Schuljahr für ihn die reinste Hölle.

So beginnt eine Geschichte aus Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder von Anika Pätzold, und sie zeigt im Kleinen, wie Wut bei Kindern entstehen kann. Bennis schlechte Laune verrät nicht, was wirklich los ist. Wenig später wird aus dem verborgenen Kummer ein schroffer Satz gegenüber seinem Freund, gedämpft gesprochen, damit niemand sonst ihn mitbekommt, und die Geschichte erzählt auch, was den Ärger wieder auflöst.

Wenn Benni nicht weiß, wie er zeigen soll, dass er traurig ist

Was am Frühstückstisch nur als Abwesenheit sichtbar war, bekommt auf dem Schulweg einen Namen. Benni grübelt über seinen Freund Thomas, der sich drei Wochen vor den Osterferien mit den Kindern aus dem Schachklub angefreundet hat. Seitdem hängt Thomas ständig mit ihnen herum, und in den Ferien haben sich die beiden Jungen gerade einmal viermal gesehen, früher dagegen jeden Tag. Zähneknirschend malt sich Benni aus, wie er seinen Freund zurückgewinnen könnte. Der Untertitel der Geschichte nennt das Gefühl dahinter ausdrücklich, nämlich die Angst, einen Freund zu verlieren.

In der Klasse steht Thomas schon bei den Martin-Zwillingen, die ebenfalls zum Schachklub gehören. Als er sich endlich neben Benni setzt, fragt dieser ihn, ohne seinen Ärger zu verbergen, ob er jetzt nur noch mit denen abhänge. Nach Thomas’ lockerer Antwort legt Benni nach und bietet Thomas an, seinen Tisch doch gleich neben den der Zwillinge zu stellen, dann habe Benni wenigstens seine Ruhe.

An dieser Stelle wechselt Anika Pätzold in Bennis Innensicht. Er hat sich das Gespräch ganz anders vorgestellt, doch die Pferde sind mit ihm durchgegangen, wie sein Reitlehrer immer sagt. Dann folgt der Satz, auf den die Szene zuläuft.

Und gerade wusste er einfach nicht, wie er Thomas anders begreiflich machen sollte, dass er traurig war.

Der Ärger ist hier der einzige Weg, den Benni in diesem Moment für seine Traurigkeit kennt.

Warum der Ärger zuerst falsch verstanden wird

Schon beim Frühstück hatte die Mutter Bennis Stimmung als Unlust nach den Ferien gedeutet, und in der Klasse geht es Thomas kaum anders. Benni selbst weiß, dass er traurig ist, Thomas dagegen nimmt Bennis Frage wörtlich. Auf sie hatte Thomas locker erwidert, er habe gar nicht gewusst, dass Benni etwas gegen die Martins habe. Benni hatte darüber nur geschnaubt, denn ihm ging es um den ganzen Schachklub und damit um die Freundschaft, und er verstand nicht, weshalb Thomas das nicht begriff. Beide Deutungen liegen nahe, und beide gehen an dem vorbei, was Benni wirklich beschäftigt.

Dass ein abweisender Satz ein verletzliches Gefühl verdecken kann, zeigt das Buch auch in einer seiner Fantasiegeschichten. Darin fürchtet sich der junge Elf Sascha vor dem Glitzerstaub, mit dem Elfen in seinem magischen Reich zu den Menschen gelangen. Als sich ein Schmetterling neben ihn auf die Bank setzt, sagt Sascha unfreundlich, er wolle allein sein. Erst später gesteht er dem Schmetterling seine Angst, deretwegen er sich nicht für einen richtigen Elfen hält. Auch hinter Saschas schroffem Satz liegt ein Gefühl, das der Ton verdeckt, wenngleich seine Geschichte eigentlich vom Umgang mit der Angst erzählt.

Nähe und ein Satz, der die Angst beim Namen nennt

Dass sich die Lage in der Klasse wendet, liegt an der langen Vertrautheit der beiden Jungen. Thomas kennt seinen Freund gut genug, um zu wissen, was dieser jetzt braucht. Ohne sich darum zu kümmern, was die anderen Kinder denken, drückt er lange Bennis Schulter. Dann versichert er ihm mit weicher Stimme, dass sie Freunde bleiben, auch wenn er ab und zu mit dem Schachklub etwas unternimmt. Am Ende spricht Thomas aus, was hinter Bennis Ärger steckt.

Du brauchst keine Angst zu haben, dass du mich verlierst.

Benni fragt mit zitternder Stimme, ob Thomas das wirklich ernst meint. An den grauen Augen seines Freundes erkennt er, dass es so ist, und die ganze Anspannung der letzten Zeit fällt von ihm ab. So löst sich Bennis Abwehr in dem Moment, in dem Thomas auf das Gefühl darunter antwortet.

Auch Sascha erlebt, dass ein ausgesprochenes Gefühl ernst genommen wird. Als er dem Schmetterling seine Angst gesteht und schon damit rechnet, ausgelacht zu werden, sagt dieser bloß, er verstehe. Komisch findet der Schmetterling die Angst nicht.

Bennis Vorsatz: viel eher über die Angst sprechen

Wie es nach der Versöhnung weitergeht, beschreibt die Geschichte als kleine Handlung. Benni nimmt Thomas kurz in den Arm und bittet ihn, ihm das Schachspielen zu zeigen, vielleicht mache er dann auch mit. Aus dem Groll gegen den Schachklub wird so eine Annäherung, und Benni spürt, dass ihre Freundschaft noch immer großartig ist. Am Ende der Geschichte steht sein Vorsatz.

Er nahm sich fest vor, das nächste Mal viel, viel eher mit seinem Freund über seine Ängste zu sprechen!

Gleich danach heißt es, wie gut ihm das tut. Für dich als Mutter oder Vater lässt sich daraus ein Gedanke ableiten. Bennis Ärger kam, weil seine Angst vorher keinen Weg nach außen gefunden hatte, und das Gespräch über die Angst wäre dieser frühere Weg gewesen.

Und wenn dein Kind auf deine Nachfrage nur sagt, es sei nichts? Auch diese Lage kennt das Buch, und zwar aus der Geschichte von Nina, einem Gnommädchen, das beim Fest seiner Stadt eine Mutprobe für die Einschulung bestehen muss. Als ihre Freundin Jasmin wissen will, was los ist, antwortet Nina, ohne Jasmin anzusehen: „Es ist nichts.“ Dabei erzählt sie ihr sonst alles. Diesmal schweigt sie, weil sie sicher ist, dass weder Jasmin noch die anderen Gnome ihr Problem verstehen würden.

Erst nachdem Nina die Prüfung geschafft hat und ihre Anspannung verflogen ist, kommt ihr die Idee, mit Freundinnen und Freunden offen über Sorgen zu reden, gar nicht mehr so schwierig vor. Sie vermutet sogar, dass Angst manchmal das gründliche Nachdenken erschwert. Hinter ihrem „Es ist nichts“ steht also die Furcht, nicht verstanden zu werden.

Wer bei der Wut eines Kindes nur den Ton hört, antwortet auf den Ärger. In der Geschichte ist es Thomas, der hinter Bennis schroffem Satz die Angst sieht und ausspricht, und erst das löst die Anspannung zwischen den beiden Jungen. Im Buch steht diese Geschichte neben weiteren, in denen Kinder lernen, über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen.

Häufige Fragen

Welches Bedürfnis steckt hinter Wut bei Kindern?

Hinter Wut bei Kindern kann das Bedürfnis stecken, einen wichtigen Menschen nicht zu verlieren. Anika Pätzold zeigt das am Schuljungen Benni, dessen bester Freund Thomas seit Wochen kaum noch Zeit für ihn hat, weil er mit den Kindern aus dem Schachklub unterwegs ist. Thomas spürt Bennis Bedürfnis nach Gewissheit und antwortet mit einer langen Berührung an der Schulter und dem Versprechen, dass sie Freunde bleiben.

Steckt hinter der Wut bei Kindern Traurigkeit, Angst oder das Gefühl, zurückgesetzt zu werden?

Bei Benni steckt alles davon dahinter. Er fühlt sich seit Wochen von seinem Freund zurückgesetzt, fürchtet, ihn ganz zu verlieren, und ist darüber traurig. Schroff wird er, weil er keinen anderen Weg findet, Thomas diese Traurigkeit zu zeigen.

Wie hängt Wut bei Kindern mit den Gefühlen hinter dem Verhalten zusammen?

Der Ärger kann das Gefühl darunter so verdecken, dass andere es zunächst übersehen. In der Geschichte hält die Mutter Bennis Abwesenheit für Ferienfrust, und Thomas glaubt, Benni habe etwas gegen zwei Mitschüler. Erst als Thomas auf die Angst eingeht, löst sich Bennis Anspannung.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

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