Angst beim Kind ernst nehmen: woran dein Kind merkt, dass du zuhörst

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Inhalt5 Abschnitte
Schaubild: Angst beim Kind, links eine Karte Drängen, rechts eine hervorgehobene Karte Ernst nehmen

Kurz gesagt

Die Angst eines Kindes ernst nehmen heißt, ihm zuzuhören, statt es zu drängen oder zu belächeln. In Anika Pätzolds Geschichte „Das Glücksportal“ spürt der Elf Sascha das, als ein Schmetterling ihm zuhört, nicht lacht und von einer eigenen Angst erzählt. Danach überträgt Sascha dessen Weg selbst auf seine Lage und entspannt sich.

Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘

Das Wichtigste in Kürze

  • Selbst ein angebotener kleiner Schritt kommt nicht an, solange er mit Pflicht und Druck verbunden ist.
  • Neben Saschas Angst vor dem Glitzerstaub steht eine zweite Sorge, nämlich ausgelacht zu werden, weil er sich für keinen richtigen Elfen hält.
  • Der Schmetterling erzählt von einer Angst, mit der er unter lauter begeisterten Artgenossen allein war, und gerade das verbindet ihn mit Sascha.
  • Sascha überträgt den Weg des Schmetterlings selbst auf seine Angst, der Schmetterling bestätigt diesen Gedanken.

Sascha stößt einen so lauten Schrei aus, dass die Wände des ganzen Schlosses wackeln und eine Fensterscheibe zerspringt. Als ihm die Traumwächterin und Wunscherfüllerin Isabell eine weitere Hand voll Glitzerstaub entgegenwirft, rettet sich der junge Elf mit einem Hechtsprung neben den großen weißen Kleiderschrank. Mit Glitzerstaub gelangen Elfen zu den Menschen. Nach Saschas Eindruck lieben alle anderen Elfen den Staub, nur er selbst fürchtet sich davor. „Sascha, das geht so nicht, du musst es wenigstens versuchen!“, beschwört ihn Isabell.

Wenn dein Kind vor etwas zurückschreckt, willst du seine Angst sicher ernst nehmen und richtig darauf reagieren. Doch woran merkt ein Kind eigentlich, dass jemand das tut? In der Geschichte „Das Glücksportal“ aus Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder stellt Anika Pätzold zwei Reaktionen auf dieselbe Angst nebeneinander, und nur eine davon erreicht Sascha.

Warum Isabells Drängen Sascha nicht erreicht

Isabell lässt nicht locker. Sie fragt, wie er jemals einem Menschen helfen wolle, wenn er sich so sehr vor dem Glitzerstaub fürchte. „Dann helfe ich eben keinem“, gibt Sascha trotzig zurück. Was hinter diesem Trotz steckt, verraten seine Gedanken.

Sie liebte den Glitzerstaub, genau wie alle anderen Elfen. Kein Wunder, dass sie sich nicht in ihn hineinversetzen konnte!

Deshalb prallt auch Isabells nächstes Argument an ihm ab. Sie beruft sich auf das Buch der Regeln und Weisheiten der Elfengemeinschaft, nach dem Elfen den Menschen bei ihren Problemen beistehen sollen, und fügt hinzu, davor könne er sich nicht drücken. Saschas Knie zittern. Er drücke sich gar nicht, versichert er, er brauche nur ein bisschen Zeit. Isabell kommt trotzdem erneut mit dem Staub in der Hand auf ihn zu und schlägt ihm schließlich vor, wenigstens einen kleinen Finger hineinzutauchen, dann werde er sehen, dass es gar nicht schlimm sei. Sascha duckt sich unter ihrem ausgestreckten Arm hinweg und rennt aus dem Saal.

Die Szene zeigt, dass weder die Regel noch der kleine Schritt ankommt, solange Sascha sich nicht verstanden fühlt. Auch dein freundlicher Vorschlag kann deshalb wie Druck wirken, wenn er auf ein „du musst“ folgt und das Gefürchtete dabei näher rückt.

Die zweite Angst, ausgelacht zu werden

Erst auf einer Bank im Elfengarten kommt Sascha wieder zu Atem und schaut hinunter ins Tal zur Gnomstadt, wo sich die Blätter schon rot und gelb verfärbt haben. Da setzt sich ein gelber Schmetterling neben ihn. „Ich will allein sein“, sagt Sascha unfreundlich. Der Schmetterling antwortet, er störe doch gar nicht und wolle nur eine kleine Pause machen, bevor er durch das Portal in die Menschenwelt fliege.

Von einem solchen Portal hat Sascha noch nie gehört, und seine Neugier ist geweckt, auch wenn er sie hinter einer gelangweilten Miene versteckt. Er bittet den Schmetterling, es ihm zu zeigen, und gemeinsam fliegen sie über den Wald bis zu einer großen Lichtung. Dort will der Schmetterling zuerst wissen, warum Sascha das Portal so unbedingt braucht, denn Elfen haben doch Glitzerstaub. Sascha beißt sich auf die Unterlippe und gesteht leise, dass er sich vor dem Glitzerstaub fürchtet. Deshalb sei er noch nie bei den Menschen gewesen und wahrscheinlich gar kein richtiger Elf.

Beim Aussprechen sinkt er ein bisschen in sich zusammen und macht sich darauf gefasst, dass der Schmetterling gleich in schallendes Gelächter ausbricht. An dieser Stelle wird sichtbar, dass neben der Angst vor dem Glitzerstaub eine zweite steht, die Angst, ausgelacht zu werden, weil er sich für keinen vollwertigen Elfen hält. Doch der Schmetterling lacht nicht. „Ach, so ist das, verstehe“, sagt er bloß. Als Sascha vorsichtig nachfragt, ob er das gar nicht komisch finde, antwortet der Schmetterling aufrichtig mit „Eigentlich nicht“. Das ausbleibende Lachen ist ein erstes Zeichen dafür, dass jemand Saschas Angst ernst nimmt und sie einfach stehen lässt.

Eine eigene Angst, mit der man allein war

Nach seinem „Eigentlich nicht“ erzählt der Schmetterling seine eigene Geschichte. Kurz nachdem er aus seinem Kokon geschlüpft war, sah er eine Blume mit schwarzen Blütenblättern, die ihm eine Heidenangst einjagte. Dazu kam etwas, das er selbst so beschreibt.

Das Doofe war, dass es nur mir so ging. Alle anderen Schmetterlinge, die ich kannte, waren ganz begeistert von der schwarzen Blume und konnten nicht genug von ihr bekommen.

Er hat sich vorgenommen, die schwarze Blume nicht mehr anzufliegen und sich stattdessen auf die vielen bunten zu konzentrieren, die er liebt. Ob er seitdem keine Angst mehr habe, will Sascha hoffnungsvoll wissen. „Meistens nicht“, antwortet der Schmetterling, und wenn die Angst doch einmal kommt, denkt er an die nächste pinke Lilie und daran, wie süß ihr Nektar schmecken wird. Gerade diese Angst, mit der er unter lauter begeisterten Schmetterlingen allein war, trifft Saschas Lage, denn auch Sascha fürchtet, was nach seinem Eindruck alle anderen Elfen lieben. Sascha ist sprachlos, weil er nicht damit gerechnet hat, dass ausgerechnet ein Wesen, das so anders ist als er, genau versteht, wie er sich fühlt.

Ähnliches erzählt eine Halloween-Geschichte im Buch. Der Gnomjunge Gaspar mag das Gruseln überhaupt nicht, während sein Freund Dandrus ganz wild darauf ist und ihn wegen seiner Angst aufzieht. Als an der Tür der alten Helma plötzlich ein zwei Meter großer Vampir steht, rennen beide schreiend davon. Später am Kamin entschuldigt sich Dandrus bei Gaspar.

Tut mir leid, dass ich dich vorhin wegen deiner Angst so geärgert habe. Ich hatte am Ende genauso großen Schiss wie du.

Für Gaspar zählt daran vor allem, dass er mit seiner Angst vor gruseligen Situationen nicht allein ist, denn sogar seinem coolen Freund schlottern manchmal die Knie. Für dich als Mutter oder Vater lässt sich aus der Geschichte des Schmetterlings ableiten, dass eine ehrlich erzählte eigene Angst deinem Kind zeigen kann, dass es mit seiner nicht allein ist. Deine eigene Angst muss dafür nicht ganz überwunden sein, denn auch der Schmetterling hat seine nur meistens hinter sich gelassen.

Die Idee des Kindes aussprechen lassen und bestätigen

Nach der Geschichte des Schmetterlings geschieht etwas, das Isabell mit ihren Argumenten nicht erreicht hat. Sascha überträgt das Gehörte von selbst auf seine Lage. „Vielleicht kann ich es mit dem Glitzerstaub genauso machen“, überlegt er laut und denkt dabei an die bunten Herbstblätter, die er gern mag. Wenn er das Portal benutzen könne, werde er trotzdem ein richtiger Traumwächter und Wunscherfüller, also ein Elf, der den Menschen hilft. Der Schmetterling nickt eifrig, sagt „Ganz genau“ und zeigt ihm, dass sich das Portal über dem umgefallenen Baumstamm befindet. Sascha spürt, wie sich etwas in ihm entspannt, und bedankt sich. Der Schmetterling antwortet, jeder habe mal Angst, das sei ganz normal und sogar ungeheuer wichtig, denn Angst sei eine Warnung des Körpers und beschütze.

Den Gedanken, es genauso zu machen, spricht also Sascha selbst aus, und der Schmetterling bestätigt ihn. Übertragen auf deinen Familienalltag kann das heißen, deinem Kind nach dem Zuhören Raum für eigene Ideen zu lassen. Welche Idee hat es selbst? Ein schlichtes „Ganz genau“ trägt dann womöglich weiter als eine fertige Lösung, die du ihm vorgibst.

Vielleicht fragst du dich, ob sich ein Kind nicht dauerhaft drückt, wenn niemand drängt. Genau das hält Isabell Sascha vor. Am Ende der Geschichte gehen Sascha und der Schmetterling gemeinsam durch das Portal und erkunden die Menschenwelt. Sascha kommt also bei den Menschen an, auf seinem eigenen Weg statt mit dem Glitzerstaub.

Ernst genommen fühlt sich Sascha, als niemand über ihn lacht, jemand ihm zuhört und ihm eine eigene Angst anvertraut. Für dich heißt das, dass du die Angst deines Kindes nicht wegreden musst. Zeigst du deinem Kind, dass es mit ihr nicht allein ist, bekommt es Raum, wie Sascha selbst einen Gedanken für seine Lage zu fassen und seinen Weg zu gehen.

Häufige Fragen

Wie geht man mit Angst bei Kindern um?

Indem man die Angst des Kindes ernst nimmt, also zuhört, wenn es von ihr erzählt, und nicht darüber lacht. In Anika Pätzolds Geschichte „Das Glücksportal“ flieht der Elf Sascha vor Isabells Drängen, öffnet sich aber dem Schmetterling, der zuerst wissen will, warum er das Portal braucht. Statt des befürchteten Gelächters bekommt Sascha dort schlichtes Verständnis.

Wie kann ich meinem Kind die Angst nehmen?

Ganz nehmen lässt sich die Angst in der Geschichte nicht, doch das Kind entspannt sich, sobald es sich verstanden fühlt und selbst einen Gedanken für seine Lage findet. Überreden hilft dem Elfen Sascha nicht, denn er flieht, obwohl Isabell ihn nur einen Finger in den Glitzerstaub tauchen lassen will. Auch der Schmetterling ist seine Angst vor der schwarzen Blume nur meistens los.

Sollte ich meinem Kind von meinen eigenen Ängsten erzählen?

Ja, das kann helfen, wenn es ehrlich geschieht und dem Kind zeigt, dass es mit seiner Angst nicht allein ist. Der Schmetterling erzählt Sascha von einer Angst, die unter allen Schmetterlingen nur er hatte, und Sascha fühlt sich dadurch genau verstanden. In der Halloween-Geschichte merkt Gaspar durch das Geständnis seines Freundes Dandrus, dass sich auch der Freund gefürchtet hat, der das Gruseln liebt.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

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