So begleitest du dein Kind durch die Aufregung vor einem großen Tag
Veröffentlicht am von Redaktion Remote Verlag · 6 Min. Lesezeit
Inhalt5 Abschnitte

Kurz gesagt
Aufregung beim Kind vor einem großen Tag ist oft Vorfreude und Sorge zugleich. Anika Pätzolds Geschichte „Der große Tag“ zeigt, was der kleinen Elfin Yazemin dann hilft: Ihre Mutter erzählt von der eigenen Aufregung früher, ihr Vater nennt die Nervosität völlig normal, und Yazemin erinnert sich selbst an Momente, die sie schon gemeistert hat.
Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘
Das Wichtigste in Kürze
- Yazemins Vater antwortet auf ihre erste Sorge mit Lob, doch das beruhigt sie nicht; weil das Gespräch weitergeht, kommt ihre eigentliche Sorge zur Sprache.
- Neben die Nervosität stellen die Eltern etwas Bleibendes, den Instinkt im Herzen, den laut Yazemins Mutter auch große Aufregung nicht nehmen kann.
- Auch ein Erlebnis, das anders ausging als erhofft, kann tragen, denn Yazemin war nach der Theaterauswahl trotzdem zufrieden und um eine Erfahrung reicher.
- Yazemin nennt ihre Sorgen am Ende ihr Sorgenmonster und lässt ihm die Freude nicht; ihre Eltern freuen sich schon auf ihre Erzählung danach.
Die junge Elfin Yazemin hüpft aufgeregt wie ein Flummi von einem Bein auf das andere und will wissen, wann es denn endlich losgeht. Heute darf sie zum ersten Mal in die Menschenwelt, wo Elfen den Menschen helfen und ihnen Wünsche erfüllen. Sie steht am großen Küchenfenster und schaut alle paar Sekunden hinaus, ob die Traumwächterin Seraphine mit den anderen Neulingen in Sicht kommt. Ihre schweißnassen Finger zupfen dabei an der orangefarbenen Gardine, draußen leuchtet ein bunter Herbsttag, und auf dem Herd brodelt eine Gemüsesuppe. Aufregung beim Kind vor einem großen Tag sieht oft genau so aus, ob vor der Einschulung oder vor dem ersten Auftritt.
Mit dieser Szene beginnt „Der große Tag“, eine Geschichte, die Anika Pätzold in Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder erzählt und der sie den Untertitel „Erwartungen, Sorgen und Selbstvertrauen“ gibt. Bei Yazemin liegen Freude und Unruhe dicht beieinander; sie kann den Moment kaum erwarten und sorgt sich zugleich. In den Minuten vor dem Aufbruch sind es ihre Eltern, die mit ihr in der Küche sprechen.
„Jetzt bin ich das, aber früher“: was die Mutter von sich erzählt
Während Yazemin am Fenster wartet, rührt ihre Mutter in der Suppe und erinnert sich an ihren eigenen ersten Besuch in der Menschenwelt. Sie weiß noch genau, wie es damals war, und sagt, sie sei genauso aufgeregt gewesen wie Yazemin jetzt. Bevor sie ihrer Tochter irgendetwas rät, spricht sie also von sich selbst.
Yazemin kann sich das kaum vorstellen, weil ihre Mutter bei allem so ruhig und gefasst ist. Die Mutter schüttelt schmunzelnd den Kopf und meint, jetzt sei sie das, früher aber sei sie die Ungeduld in Person gewesen. In diesem Moment kommt der Vater in die Küche. Er lässt sich auf die Eckbank sinken und bestätigt, seine Frau sei seinerzeit ein richtiger Wirbelwind gewesen, worauf sie ihm zuzwinkert und fragt, ob er wieder gelauscht habe.
Yazemin hört so, dass ausgerechnet die Person, die heute so gelassen ist, früher genauso ungeduldig war wie sie. Ihre Aufregung ist damit nichts, was nur sie kennt, denn andere hatten sie schon vor ihr.
Wenn Lob nicht ankommt, zeigt sich die eigentliche Sorge
Die Erzählung der Mutter lockert die Stimmung, doch Yazemins Sorgen sind damit noch nicht ausgesprochen. Der Vater sagt feierlich, das sei heute ein großer Tag für sie, und die Eltern seien sehr stolz auf ihre Tochter. Yazemin lächelt und dankt ihm, während ihre Finger weiter nervös am Saum der Gardine zupfen. Später spricht sie eine erste Sorge aus und fragt, was wohl passiert, wenn sie mit ihrem Menschen nicht zurechtkommt.
Der Vater antwortet mit Lob und sagt, er könne sich niemanden vorstellen, der sie nicht mag. Yazemin verdreht die Augen, weil so etwas eben ein Papa sagt. Der Vater bleibt dabei, sie habe Unmengen an Freunden und sei überall beliebt, und fragt, weshalb das in der Menschenwelt anders sein sollte. Yazemin zuckt die Achseln und meint, das lasse sich nicht vergleichen. Erst jetzt nennt sie, was sie wirklich umtreibt. Sie hat Angst, nicht den richtigen Weg zu finden, um ihrem Menschen zu helfen, und ihm am Ende den falschen Wunsch zu erfüllen.
Das gut gemeinte Lob beruhigt Yazemin also nicht, doch das Gespräch geht weiter, und so kommt die eigentliche Sorge auf den Tisch, die eine andere ist als die erste. Das Lob des Vaters kommt aus Liebe, es trifft nur noch nicht das, was Yazemin beschäftigt.
„Völlig normal“ und das, was tief im Kind steckt
Weil die Sorge nun ausgesprochen ist, können die Eltern genau darauf antworten. Die Mutter wischt sich die Hände an der Schürze ab und setzt sich zu ihrem Mann an den Tisch. Tief schaut sie Yazemin in die Augen und sagt, Elfen hätten einen siebten Sinn dafür, wie sie Menschen am besten unterstützen können, und Yazemin solle ihrem Instinkt vertrauen. Dieser siebte Sinn ist in der Geschichte eine Gabe der Elfen; für ein Kind in unserer Welt bleibt er ein Bild.
Ganz beruhigt ist Yazemin damit noch nicht. Sie fragt, was sei, wenn ihr Instinkt sie im Stich lasse, weil sie so furchtbar aufgeregt sei, und ihr Puls wird bei dieser Vorstellung schneller. Zuerst antwortet der Vater mit einem liebevollen Blick. Es sei völlig normal, dass sie im Moment nervös sei, schließlich sei das ihr allererster Besuch in der Menschenwelt. Die Mutter ergänzt seine Worte und deutet dabei auf Yazemins Brust.
„Aber die größte Aufregung kann dir niemals das nehmen, was tief in dir steckt“
Ihr Instinkt, sagt die Mutter weiter, sitze in ihrem Herzen und werde sie nicht im Stich lassen. Damit wird die Nervosität weder weggeredet noch zum Problem gemacht. Sie darf da sein, und neben ihr bekommt Yazemin etwas, das tiefer sitzt als die Aufregung.
Innehalten und sich erinnern: was das Kind schon gemeistert hat
Nach diesen Worten will Yazemin etwas erwidern, doch dann hält sie einen Augenblick inne und überlegt. Ihr fallen Momente ein, in denen sie schon ähnliche Sorgengedanken hatte. Da war die Auswahl der Hauptrollen im Elfenkindertheater, und erst im letzten Monat musste sie vor ihrer ganzen Klasse ein ellenlanges Gedicht aufsagen. Auch damals wurden ihre Hände schweißnass, und sie fing an, an sich zu zweifeln. Gemeistert hat sie diese Erlebnisse trotzdem alle. Diese Erinnerung holt Yazemin selbst hervor, nachdem die Eltern gesprochen haben.
Und wenn ein solches Erlebnis gar nicht gut ausgegangen ist? Auch darauf antwortet die Geschichte selbst, denn die Sache mit dem Theater lief anders, als Yazemin es sich erhofft hatte. Trotzdem war sie hinterher zufrieden und um eine wichtige Erfahrung fürs Leben reicher. Ein Erlebnis, das nicht nach Wunsch verlief, gehört in der Geschichte deshalb ebenso zu dem, was Yazemin gemeistert hat.
Danach gibt Yazemin ihren Eltern recht, und ihre Augen funkeln, als hinter dem Nachbarhaus die Traumwächterin mit acht anderen Neulingen auftaucht. Sie bedankt sich bei den Eltern mit einem Satz, in dem sie ihren Sorgen einen Namen gibt.
„Danke, dass ihr mich daran erinnert habt, meine Freude nicht von meinem Sorgenmonster auffressen zu lassen.“
Das Sorgenmonster ist Yazemins eigenes Bild für die Sorgen, die ihre Freude auffressen wollen. Die Vorfreude war die ganze Zeit da, schon als Yazemin ungeduldig in der Küche hüpfte, und jetzt bekommt die Freude wieder Platz.
So wie Yazemin sich an ihre eigenen Erlebnisse erinnert, sollen Kinder in den Geschichten des Buchs etwas für ihren eigenen Alltag finden. Laut Vorwort helfen die Geschichten ihnen, spielerisch Lektionen zu lernen, die sie dort anwenden können, und zwar mit Heldinnen und Helden, mit denen sie sich identifizieren können. Liest du „Der große Tag“ gemeinsam mit deinem Kind, kann Yazemins Innehalten so zu seinem eigenen werden.
Die Geschichte endet nicht damit, dass Yazemins Aufregung verschwindet, sondern damit, dass ihre Eltern aufstehen und sie in den Arm nehmen. Ihre Mutter gibt ihr einen Kuss auf die Stirn und sagt, sie freuten sich darauf, von all ihren Abenteuern zu hören. Auch die Aufregung deines Kindes vor seinem großen Tag muss nicht weg; sie darf Gesellschaft bekommen. Dann kann sich auch dein Blick schon auf später richten, auf den Moment, in dem dein Kind dir erzählt, wie sein großer Tag war.
Häufige Fragen
Mein Kind ist vor einem großen Tag total aufgeregt, wie kann ich es beruhigen?
Anika Pätzolds Geschichte „Der große Tag“ zeigt dafür ein Gespräch, in dem die Aufregung des Kindes Gesellschaft bekommt. Die Mutter erzählt, dass sie beim ersten Mal genauso aufgeregt war, der Vater nennt die Nervosität vor dem ersten Mal normal, und die Mutter erinnert an das, was tief im Kind steckt. Danach besinnt sich die kleine Elfin auf eigene Momente, die sie schon geschafft hat.
Soll ich meinem Kind erzählen, wie aufgeregt ich als Kind selbst war?
In Anika Pätzolds Geschichte „Der große Tag“ tut Yazemins Mutter genau das und erzählt kurz und heiter von ihrer Aufregung und Ungeduld beim ersten Besuch in der Menschenwelt. Ihre Tochter kann sich das kaum vorstellen, der Vater bestätigt es. Die Mutter spricht dabei von ihrer Aufregung damals; von eigenen Ängsten ist keine Rede. Eine ausdrückliche Empfehlung gibt das Buch dazu nicht, die Geschichte zeigt das Erzählen.
Wie baue ich Stress bei meinem Kind ab?
Zum Entspannen setzt Anika Pätzolds Buch auf Traum- und Fantasiereisen. Laut Vorwort helfen sie Kindern, sich leichter und schneller zu entspannen und dabei spielerisch Lektionen zu lernen, die sie in ihrem Alltag anwenden können. Die Geschichten laden zum Träumen, Entspannen, Schmunzeln und Nachdenken ein.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.