Wie dein Kind seine größte Angst Stück für Stück überwinden kann

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Inhalt5 Abschnitte
Drei große gelbe Karten mit Pfeilen von links nach rechts: Mut und Schutz, Nächstes Stück, Angst überwinden.

Kurz gesagt

Wie ein Kind seine größte Angst überwinden kann, erzählt Anika Pätzold in einer Vorlesegeschichte am Gnommädchen Nina, dem die Angst an der Kletterwand die Kraft nimmt. Ihr hilft eine Stimme, die zuerst den Wunsch aufzugeben ausspricht, dann Mut zuspricht und Schutz vor dem Sturz verspricht. Danach schaut Nina nur auf das nächste kleine Stück.

Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘

Das Wichtigste in Kürze

  • Ninas Angst zeigt sich zuerst im Schweigen, weil sie glaubt, ihre Freundin und die anderen Gnome würden ihr Problem nicht verstehen.
  • An der Kletterwand lähmt Nina vor allem die Vorstellung, oben hinunterzufallen, obwohl sie sich der Prüfung stellt, weil ihr nichts anderes übrig bleibt.
  • Das Schutzversprechen der Stimme antwortet genau auf die Frage, die Nina beim Klettern gelähmt hat.
  • Das Lob kommt schon während des Kletterns, und der Erfolg gehört danach dem Kind, obwohl es Hilfe hatte.

Anika Pätzold erzählt in ihrem Buch Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder eine Vorlesegeschichte darüber, wie ein Kind seine größte Angst überwinden kann. In „Die schwierige Prüfung“ feiert die Gnomstadt Walküra ein Fest mit bunten Wimpeln, fröhlicher Musik und Zitronenlimonade, doch das Gnommädchen Nina sitzt schwermütig auf einer Bank am Dorfbrunnen. Ihre Freundin Jasmin merkt, dass etwas nicht stimmt. Seit Tagen lacht Nina nicht mehr, sie hört nicht richtig zu, und beim großen Seefischessen hat sie ihren Stachelrochen kaum angerührt. Auf Jasmins Nachfrage sagt Nina nur „Es ist nichts“ und sieht ihre Freundin dabei nicht an.

Gern würde Nina ihrer Freundin von ihrem Problem erzählen, denn sonst erzählt sie ihr alles. Diesmal aber ist sie sicher, dass weder Jasmin noch die anderen Gnome sie verstehen würden. Besonders schlimm findet sie, dass sie noch keinen Weg gefunden hat, sich vor der „großen Sache“ heimlich davonzustehlen. So kann es aussehen, wenn ein Kind eine große Angst überwinden müsste und noch kein Wort darüber verliert.

Warum Nina ihre größte Angst für sich behält

Was Jasmin nur als komisches Verhalten bemerkt, hat einen Grund, und warum Nina schweigt, zeigt das nächste Gespräch. Wenig später steht Ninas Großmutter mit einem Strauß purpurfarbener Blumen vor ihr und will wissen, warum sie nicht bei den anderen ist. Nina schwindelt, sie sei eingenickt. Als die Großmutter sanft fragt, ob sie etwas auf dem Herzen habe, schüttelt Nina rasch den Kopf und läuft hastig zu den Zelten. Sie hat es eilig, weil uralte Gnomfrauen manchmal Gedanken lesen können, wenn man ihnen genug Zeit lässt. Wüsste die Großmutter, was in Ninas Kopf vorgeht, würde sie bestimmt alles den Eltern erzählen, glaubt Nina. Dann bekäme sie selbst schrecklichen Ärger und würde wahrscheinlich sogar aus der Gnomgemeinschaft ausgeschlossen. Ninas Schweigen kommt also aus der Angst selbst, aus dem Gefühl, nicht verstanden zu werden, und aus der Furcht vor den Folgen.

Am Abend drängt die ganze Menge zu einem kleinen Hügel in der Mitte des Festes, und Nina wird genau dorthin geschoben, wo sie gerade gar nicht sein will. Nach all ihren Überlegungen ist sie da schon zu einem Schluss gekommen. Mit jeder Ausrede, um die große Sache herumzukommen, würden die ältesten Gnome sie am Ende doch ertappen, und dann würde die ganze Stadt erst recht über sie lachen. Also bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich ihrer größten Angst zu stellen.

Wie die Angst beim Klettern die Kraft nimmt

Der Entschluss ist gefasst, doch die Angst verschwindet nicht, nur weil Nina sich ihr stellt. Vor dem Hügel steht eine Holzwand mit dick geknoteten Seilen, an der die Gnomprüfung für die Einschulung stattfindet. Die Gnomkinder klettern hinauf, und wer dabei auf dem Boden aufkommt, hat die Prüfung nicht bestanden. Alle anderen Kinder in Ninas Alter sind schon unter tosendem Applaus oben angekommen, nur Nina ist noch übrig. Die Gnome singen ausgelassen, und Nina spürt ihren Puls bis in die Fingerspitzen.

Mit zitternden Händen zieht sie sich am Seil nach oben. Tausend Gedanken jagen ihr durch den Kopf, und vor allem quält sie die Frage „Was, wenn ich ganz oben ankomme und dann hinunterfalle?“ Nina versucht verzweifelt, diesen Gedanken beiseitezuschieben, doch sie hat keine Kraft mehr. Im Buch heißt es über diesen Moment:

„Es war, als legten die Sorgen und Ängste all ihre Muskeln lahm.“

Sie zieht noch einmal und stößt sich mit den Beinen ab, doch die zwei Zentimeter, die sie dabei höher kommt, verliert sie gleich wieder. Ihre schweißnassen Hände finden keinen Halt, und das kratzige Seil gräbt sich in ihre Haut, während sie krampfhaft versucht, nicht auf dem Boden aufzukommen. Obwohl Nina sich stellt, weil ihr nichts anderes übrig bleibt, nimmt ihr vor allem der Gedanke ans Hinunterfallen mitten im Klettern die Kraft.

Was die leise Stimme in welcher Reihenfolge sagt

Heiße Tränen laufen Nina über die Wangen, als sie auf einmal eine leise Stimme an ihrem Ohr hört.

„Ich weiß, du würdest jetzt am liebsten aufgeben, aber du schaffst das! Ich glaube an dich!“

Nina traut sich nicht, sich nach der unbekannten Stimme umzudrehen, doch in ihrem Brustkorb spürt sie eine angenehme Wärme, die sich langsam im ganzen Körper ausbreitet, und sie entspannt sich. Die Stimme sagt ihr, es sei nicht mehr weit und sie habe genug Kraft, um hochzukommen. Zuletzt verspricht sie, Nina oben zu beschützen und gut aufzupassen, damit sie nicht hinunterfällt. Warum, kann Nina nicht sagen, aber sie glaubt der Stimme und vertraut ihr.

Die Stimme spricht also zuerst aus, was Nina gerade fühlt, nämlich den Wunsch aufzugeben, und macht ihr erst danach Mut. Ihr Versprechen am Ende antwortet auf genau die Frage, die Nina eben noch gelähmt hat.

Ein gelber Kasten Leise Stimme über drei gelben Kästen, die mit Pfeilen von links nach rechts verbunden sind: Wunsch aufgeben, Mut, Oben beschützen
Die leise Stimme benennt zuerst Ninas Wunsch aufzugeben, spricht ihr dann Mut zu und verspricht zuletzt, sie oben zu beschützen.

Nur das nächste kleine Stück

Mit der Stimme im Ohr atmet Nina tief ein und richtet ihren Blick erst einmal nur auf das nächste kleine Stück, das sie erklimmen muss. Währenddessen redet die Stimme sanft weiter auf sie ein und lässt sie wissen, dass sie ihre Sache großartig macht. Nina verliert jedes Gefühl für Zeit und Raum, bis sie schließlich hoch oben auf dem schmalen Brett der Holzwand sitzt. Die kleinen Schritte sind in dieser Geschichte also die Teilstücke eines einzigen Aufstiegs, und das Lob begleitet Nina schon unterwegs.

Oben zeigt sich, wem die Stimme gehört. Vor Ninas Gesicht tauchen blau schimmernde Flügel auf, und sie erkennt eine Elfenprinzessin mit goldenem Zopf und freundlichen Augen. Die Elfe heißt Fallassima und sagt Nina, wie stark und wunderbar sie ist und dass sie ihre größte Angst überwunden hat. Dann deutet sie zum Vollmond am Horizont, und Nina staunt, wie einzigartig die Aussicht von dort oben ist.

Hat Nina es dann nur dank Fallassima geschafft? Die Geschichte beantwortet diese Frage selbst, denn als Nina sich bei ihr bedankt, erwidert die Elfe einen einzigen Satz.

„Das hast du ganz allein geschafft.“

Danach verschwindet sie in einem goldenen Glitzerstrudel. Die Hilfe hat Nina begleitet, den Aufstieg aber schreibt die Geschichte ihr selbst zu.

Steht dein Kind selbst vor einer großen Sache, etwa einer Prüfung oder einem Auftritt vor anderen, kannst du ihm Ninas Geschichte vorlesen. Vielleicht erkennt es sich in dem Gnommädchen wieder, das seine Angst zuerst verschweigt und dann Stück für Stück nach oben klettert, begleitet von Worten, die sein Gefühl ernst nehmen.

Oben auf der Wand wird Nina klar, was in ihr vorgegangen ist. Die Angst hatte sie glauben lassen, die anderen würden sie verstoßen, wenn sie die Prüfung nicht schafft, und wahrscheinlich, so ahnt sie jetzt, kann Angst manchmal auch das gründliche Nachdenken erschweren. Nun, da die Anspannung von ihr abgefallen ist, erscheint es ihr gar nicht mehr so schwierig, mit ihren Freundinnen und Freunden über ihre Sorgen zu sprechen. Für dich heißt das, dass das Schweigen deines Kindes vor einer großen Sache zu seiner Angst gehören kann und dass ihm das Reden vielleicht leichter fällt, wenn es ein Stück davon gemeistert hat.

Häufige Fragen

Was kann man tun, um Kindern aus der Angst zu helfen?

Im Buch hilft dem Gnommädchen Nina eine leise Stimme, die zuerst ihren Wunsch aufzugeben ausspricht, ihr dann Zuversicht schenkt und zuletzt verspricht, sie oben vor dem Sturz zu beschützen. Danach schaut Nina nur noch auf das nächste kleine Stück der Kletterwand, bis sie oben ankommt.

Welche Sprüche können einem Kind vor einer Prüfung Mut machen?

Im Buch sind es schlichte Sätze wie „Du schaffst das! Ich glaube an dich!“, die Nina bei ihrer Kletterprüfung zur Einschulung hört. Dazu sagt ihr die Stimme, dass der Rest des Weges kurz ist und ihre Kraft dafür reicht. Diese Worte erreichen Nina in dem Moment, in dem sie am liebsten aufgeben würde.

Wie geht man mit Angst bei Kindern um, wenn das Kind nicht darüber reden will?

Ninas Geschichte gibt dafür keine Anleitung, sie zeigt aber, dass ein Kind gerade wegen seiner Angst schweigen kann. Nina weicht sogar der sanften Frage ihrer Großmutter aus, weil sie glaubt, niemand würde sie verstehen, und weil sie Ärger und Ausschluss fürchtet. Erst als sie die Wand bezwungen hat, kommt ihr ein offenes Gespräch über Sorgen nicht mehr so schwierig vor.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

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