Entspanntes Verhältnis zum Essen beim Kind: die Regel von Seelen- und Körpermahlzeit
Veröffentlicht am von Redaktion Remote Verlag · 6 Min. Lesezeit
Inhalt5 Abschnitte

Kurz gesagt
Ein entspanntes Verhältnis zum Essen heißt beim Kind, dass Lieblingsessen und Gesundes nebeneinander Platz haben, ohne dass es sich etwas versagt. In Anika Pätzolds Fantasiereise nennt der Traumwächter Heronimus eine „Formel für das Wohlfühlen im eigenen Körper“: täglich mindestens eine Seelenmahlzeit, die das Kind richtig gern mag, und mindestens eine Körpermahlzeit, etwa Obst oder Gemüse.
Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘
Das Wichtigste in Kürze
- Die beiden Begriffe stehen auf einem hellblauen Seepferdchen, das der Traumwächter Heronimus dem Jungen Justus im Traum schenkt.
- Die Regel steht in einer Geschichte über Selbstliebe und antwortet auf einen Jungen, der nach gemeinen Worten über seinen Bauch auf sein Lieblingsessen verzichten will.
- Beide Seiten füllt das Kind selbst mit Speisen, die es mag; Justus wählt Popcorn sowie Obst und Gemüse wie Weintrauben oder Kohlrabi.
- Mengen oder ein Verhältnis nennt das Buch nicht, und eine Wirkung auf das Essverhalten verspricht es nicht.
Justus steht vor dem Spiegel und zieht den Bauch ein, so fest er kann. Nach ein paar Sekunden wird ihm schlecht, keuchend schnappt er nach Luft, und sein Bauch ist wieder genauso groß wie vorher. Im Kopf hat er die gemeinen Worte, die der Nachbarsjunge Theo am Vortag in der Umkleidekabine des Freibads über ihn gesagt hat. Seitdem überlegt Justus, ob er nicht lieber gar nichts mehr essen sollte oder nur noch gesundes Zeug, von dem er schnell dünn wird. So beginnt Anika Pätzold die Fantasiereise „Das magische Seepferdchen“.
Über seinen Grübeleien schläft Justus ein. Im Traum läuft er über eine pastellrosa Straße, die sich wie eine Hüpfburg anfühlt, und der Bürgersteig daneben besteht aus Keksen, ausgerechnet aus seiner Lieblingssorte. Justus bückt sich schon, doch im letzten Moment hält er inne. „Das sollte ich lieber nicht tun“, erinnert er sich, und wieder liegt dieses schwere Gefühl auf seiner Brust. Wie kommt ein Kind aus diesem Kummer heraus zu einem entspannten Verhältnis zum Essen? Die Geschichte antwortet zuerst mit dem Gedanken, sich selbst lieb zu haben, und dann mit einer einfachen Regel von Seelenmahlzeit und Körpermahlzeit, die auf einem Seepferdchen steht.
Ein Traumwächter, der seinen Muffin genießt
Gerade als Justus vor den Keksen innehält, hört er jemanden mampfen. Auf einer Bank aus rot-weißen Zuckerstangen sitzt ein winziges Wesen mit schimmernden blauen Flügeln, in der Hand einen halb aufgegessenen Schokomuffin. „Hast du keine Angst vorm Dickwerden?“, platzt es aus Justus heraus. Das Wesen fragt erstaunt zurück, weshalb es davor Angst haben sollte. Als Justus erklärt, andere könnten es sonst ärgern, stellt es sich mit stolz geschwellter Brust vor. Es heißt Heronimus, ist erster Traumwächter und nach eigenen Worten „einer der besten Wunscherfüller aller Zeiten“. Warum also sollte es Heronimus kümmern, was andere über ihn denken?
Justus hält dagegen, dass es sich nicht gut anfühlt, wenn andere so etwas über einen sagen. Heronimus gibt ihm recht, setzt aber hinzu, dass man gemeine Worte deshalb noch lange nicht glauben müsse, und wer sich selbst lieb habe, dem könne niemand für lange Zeit ein schlechtes Gefühl geben. Das brauche ein bisschen Zeit und Übung, aber es klappe, wenn Justus sich jeden Tag daran erinnere, dass er ein toller Junge sei, ganz egal, wie er aussehe. Die Geschichte trägt im Buch den Untertitel „Selbstliebe entwickeln“, und die Regel zum Essen wächst aus diesem Gedanken heraus.
Justus fragt mit einem Hauch Hoffnung, wie Heronimus sich da so sicher sein könne. Der weiß es nach eigenen Worten aus Erfahrung, und weil ihm als Wunscherfüller der Wunsch des Jungen Befehl ist, lässt er mit einem Zwinkern ein hellblaues Seepferdchen in seiner Hand erscheinen, „damit du das nie mehr vergisst“. Das Seepferdchen soll Justus also daran erinnern, dass er ein toller Junge ist. Auf seiner einen Seite steht in goldenen, glitzernden Buchstaben „Seelenmahlzeit“, auf der anderen „Körpermahlzeit“. In Anika Pätzolds Buch Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder kommt die Regel zum Essen damit auf demselben Geschenk zu Justus, das ihn an die Selbstliebe erinnern soll, überreicht von einer liebenswert übertriebenen Traumfigur und ganz ohne Ernährungsplan.
Die Seelenmahlzeit: etwas, das du richtig, richtig gern magst
Justus dreht das Seepferdchen hin und her und will wissen, was die beiden Wörter bedeuten. Heronimus stemmt die winzigen Hände in die Hüften und erklärt es ihm.
Das, mein junger Freund, ist eine Formel für das Wohlfühlen im eigenen Körper, wenn es ums Essen geht.
Bevor er die Formel aufschlüsselt, verrät er Justus augenzwinkernd und mit gedämpfter Stimme, dass er selbst für sein Leben gern isst. Dieses Geständnis passt zu dem Muffin in seiner Hand, und es nimmt der Regel die Strenge, noch ehe sie ausgesprochen ist. Erst danach wird Heronimus ernst und nennt die erste Hälfte.
Es ist wichtig, dass du jeden Tag mindestens eine Mahlzeit isst, die deiner Seele guttut.
Gemeint ist etwas, das man richtig, richtig gern mag. Justus muss nicht lange überlegen und ruft sofort „Popcorn!“, und schon beim Gedanken an die buttrige Süßigkeit läuft ihm das Wasser im Mund zusammen. Hier wendet sich die Geschichte, denn genau das Essen, auf das Justus aus Kummer verzichten wollte, bekommt nun einen festen Platz an jedem Tag.
Die Körpermahlzeit: gesund und trotzdem gemocht
Heronimus nickt feierlich zu Justus' Wahl und kommt mit einem „Und dann“ zur zweiten Seite, die dem Körper gilt. Dazu gehört jeden Tag mindestens eine Mahlzeit, von der man weiß, dass sie sehr gesund für den Körper ist, etwa frisches Obst und Gemüse. Justus denkt nach, und nach einigem Überlegen fallen ihm Sorten ein, die er tatsächlich gern mag, nämlich Weintrauben, Melone, Tomaten, Kohlrabi und Brokkoli.
Auch die gesunde Hälfte füllt Justus also mit dem, was ihm schmeckt. Heronimus schreibt ihm keine Sorte vor, er lässt ihn selbst suchen und bestätigt dann nur mit einem „Ganz genau“. Mehr legt die Formel nicht fest. Wie groß die Mahlzeiten sein sollen oder in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, sagt Heronimus nicht, er nennt nur die zwei Seiten und das „mindestens eine“ für jeden Tag.
Stattdessen klatscht er in die Hände, erklärt das Problem für gelöst und lobt sich gleich noch selbst für seine Kunst, Wünsche zu erfüllen. Justus schmunzelt. Er findet den selbstbewussten Wunscherfüller ein bisschen lustig, aber auch eine gute Inspiration, und nimmt sich vor, gleich morgen alle Ratschläge des Traumwächters auszuprobieren.
Wie die Regel aus dem Traum in den Alltag kommt
Mit diesem Vorsatz weist die Geschichte über den Traum hinaus. Das Vorwort des Buchs beschreibt, wozu die Traum- und Fantasiereisen gedacht sind. Sie sollen Kindern helfen, sich leichter und schneller zu entspannen, und ihnen dabei „spielerisch wertvolle Lektionen“ mitgeben, die sie in ihrem Alltag anwenden können. Die Regel von Seelenmahlzeit und Körpermahlzeit ist eine solche Lektion. Für dich als Mutter oder Vater heißt das, dass du die Regel mit der Geschichte weitergeben kannst, so wie Heronimus sie Justus im Traum schenkt.
Wie das aussehen kann, zeigt die Geschichte selbst. Auch dein Kind kann nach dem Vorlesen beide Seiten der Formel selbst füllen, so wie Justus im Traum:
- Was mag es richtig, richtig gern?
- Welches Obst oder Gemüse schmeckt ihm tatsächlich?
Die Antworten sind dann seine eigenen, so wie das Popcorn und die Weintrauben die von Justus sind.
Als Justus aufwacht, betrachtet er sich ein zweites Mal im Spiegel. Sein Bauch steht immer noch etwas hervor, doch das schwere, traurige Gefühl in seiner Brust ist verschwunden, und in der Hosentasche ertastet er das Seepferdchen. Am Nachmittag will er ins Schwimmbad, ganz gleich, was Theo oder irgendjemand anderes über ihn sagt. Beim Vorlesen hört auch dein Kind beides: den Gedanken, dass ihm niemand für lange ein schlechtes Gefühl geben kann, wenn es sich selbst lieb hat, und die Regel, die dem Lieblingsessen und dem Gesunden je einen Platz an jedem Tag gibt.
Häufige Fragen
Was ist eine Seelenmahlzeit, was eine Körpermahlzeit?
Eine Seelenmahlzeit ist eine Mahlzeit, die der Seele guttut, weil das Kind sie richtig, richtig gern mag; Justus wählt in der Geschichte Popcorn. Eine Körpermahlzeit ist eine Mahlzeit, die sehr gesund für den Körper ist, etwa frisches Obst und Gemüse. Von beiden gehört nach der Formel des Traumwächters Heronimus täglich mindestens eine dazu.
Hilft die Regel meinem Kind zu einem entspannten Verhältnis zum Essen?
Eine Wirkung verspricht das Buch nicht. Anika Pätzold erzählt die Regel als Lektion in einer Fantasiereise, und solche Reisen sollen Kindern laut Vorwort spielerisch Lektionen für den Alltag mitgeben. In der Geschichte ist das schwere Gefühl in Justus' Brust nach dem Traum verschwunden, obwohl sein Bauch derselbe geblieben ist, und er will wieder ins Schwimmbad.
Woher stammt die Regel von Seelenmahlzeit und Körpermahlzeit?
Sie stammt aus der Geschichte „Das magische Seepferdchen“ in Anika Pätzolds Buch „Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder“. Dort schenkt der Traumwächter und Wunscherfüller Heronimus dem Jungen Justus ein Seepferdchen, auf dessen zwei Seiten die beiden Wörter stehen. Er nennt die Inschrift eine Formel, mit der man sich beim Essen im eigenen Körper wohlfühlen kann.
Wie erkläre ich meinem Kind die Regel?
Das Buch erklärt sie über die Geschichte, die du deinem Kind vorlesen kannst. Darin nennt Justus selbst sein Lieblingsessen und sucht sich Obst und Gemüse aus, das er mag, sodass beide Hälften der Regel seine eigenen Antworten tragen. Die beiden Wörter stehen auf dem kleinen Seepferdchen, das Heronimus ihm schenkt und das Justus nach dem Traum in seiner Hosentasche wiederfindet.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.