So lernt dein Kind, älteren Kindern gegenüber für sich einzustehen

Veröffentlicht am von · 6 Min. Lesezeit

Inhalt5 Abschnitte
Schaubild: Passende Worte und Mut im entscheidenden Moment führen gemeinsam dazu, für sich einzustehen

Kurz gesagt

Wenn ein Kind für sich einsteht, sagt es älteren Kindern, die es ärgern, offen, was es unfair findet. Manchmal kennt es die passenden Worte schon und lernt vor allem, sie im entscheidenden Moment mutig auszusprechen. Das zeigt Anika Pätzolds Fantasiereise „Ein magisches Bad“ am jüngeren Timo.

Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Geschichte stehen zwei ältere, größere Mitspieler gegen den jüngeren Timo, und der Trainer, der ihn sonst schützt, ist gerade nicht da.
  • Zitternde Hände und ein gesenkter Blick beschreiben die Angst des Jüngeren so, wie ein Kind sie im Körper spürt.
  • Bevor Timo für sich einsteht, kommt er in einem warmen Bad zur Ruhe und spricht im Traum seinen Wunsch aus, selbstbewusster zu sein.
  • Seine Antwort an die Älteren besteht aus drei eigenen Gedanken.

Nach einem schwülen Fußballspiel steht Timo auf dem Platz, schließt die Augen und lächelt, weil endlich kühle Regentropfen auf seiner Nasenspitze landen. „Das tut gut!“, murmelt er. Da reißt ihn ein dumpfer Schmerz an der Schulter aus seinen Gedanken. Vor ihm hat sich Mike aufgebaut, einen halben Kopf größer und mit finsterem Blick, und will wissen, ob er ein „Hans Guckindieluft“ sei. Timo läuft es eiskalt den Rücken hinunter, und er senkt den Blick auf seine grauen Turnschuhe.

Vielleicht hast du dein Kind schon einmal so erlebt, mit gesenktem Kopf vor älteren Kindern im Verein, die es ärgern. Dann liegt die Frage nahe, wie ein Kind für sich einstehen lernt, wenn die anderen größer und älter sind. In ihrem Buch Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder erzählt Anika Pätzold diese Geschichte als Fantasiereise. Sie heißt „Ein magisches Bad“ und trägt den Untertitel „Selbstbewusstsein stärken“.

Größer, älter und kein Trainer in Sicht

Aus diesem Augenblick wird schnell mehr. Timo sagt leise, er habe sich bloß über den Regen gefreut. Mike lacht sein fieses Lachen, das er auch beim Fußball draufhat, wenn ein Gegner den Ball neben das Tor schießt, und äfft ihn mit einer Grimasse nach. Inzwischen ist Olli dazugekommen, ein weiterer älterer Spieler aus Timos Mannschaft. Mike fragt Olli, ob sie dem „Dreikäsehoch“ eine ordentliche Abreibung verpassen sollen, und Olli behauptet, Timo habe seinen Platz im Team nicht verdient. Dabei kickt er ihm einen Kieselstein ans Schienbein.

Timos Hände beginnen zu zittern. Hilfesuchend schaut er sich nach dem Trainer um, denn der freundliche Reinhard sorgt im Training dafür, dass die Älteren ihn in Ruhe lassen, wenn er einmal nicht so gut spielt. Doch von Reinhard fehlt jede Spur. Dass er noch nicht ganz so gut ist wie die anderen, erklärt sich Timo selbst mit zwei Gründen. Er ist drei Jahre jünger als sie, und wegen seines Musikunterrichts bleibt ihm weniger Zeit zum Trainieren.

So stehen zwei Ältere gegen einen Jüngeren, und kein Erwachsener ist in der Nähe. Timos Angst ist in dieser Lage eine verständliche Antwort auf ein echtes Gefälle. Anika Pätzold beschreibt sie so, wie ein Kind sie im Körper spürt, mit dem kalten Schauer im Rücken und den zitternden Händen.

Der richtige Satz ist schon da, und Timo rennt trotzdem

Gerade weil Olli ihm den Platz in der Mannschaft abspricht, hat Timo einen Gegengedanken parat, der sich auf den Trainer stützt.

„Aber ich bin trotzdem gut genug, sonst hätte Reinhard mich gar nicht erst ins Team geholt“, schoss es Timo durch den Kopf.

Doch statt den Satz laut und selbstbewusst zu sagen, nimmt er Reißaus. Im Buch heißt es, er renne so schnell, als wäre der Teufel höchstpersönlich hinter ihm her. Mike brüllt ihm nach, sie seien noch nicht fertig mit ihm, und Timo läuft weiter, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Timo fehlt also nicht die Antwort, denn er weiß genau, dass der Trainer ihn ins Team geholt hat. Was ihm fehlt, ist der Mut, diesen Satz auszusprechen, solange die Angst ihn so fest im Griff hat. Wenn dein Kind sich nicht wehrt, lohnt deshalb ein zweiter Blick. Vielleicht trägt es den passenden Satz längst in sich und traut sich nur noch nicht, ihn laut zu sagen.

Ein magisches Bad und ein ausgesprochener Wunsch

Völlig durchnässt kommt Timo nach Hause. Seiner Mutter genügt ein Blick, um zu entscheiden, dass ihr Sohn erst einmal ein warmes Bad braucht. Im Badezimmer schaltet er seine Lieblingsplaylist ein und gibt Schokoschaumbad ins Wasser. Der süße Duft erfüllt sofort den Raum. In der Wanne konzentriert er sich ganz auf die rockigen Gitarrenklänge, bis seine Lider schwer werden und er in einen leichten Schlaf sinkt.

Hier beginnt die eigentliche Fantasiereise. Im Traum schwebt Timo auf einer Wolke hoch über einer grünen Wiese mit Fußballmarkierungen, als aus einem Strudel glitzernder Lichter ein winziges Wesen mit opalblauen Flügeln tritt. Es stellt sich als Fallassima vor, als „Wächterin der Träume und Erfüllerin aller Wünsche“, und möchte wissen, was es für ihn tun kann. Timo stammelt zuerst. Dann denkt er an Mike und Olli und spricht seinen Wunsch aus.

„Ich wäre gern selbstbewusster, wenn mich jemand ärgert.“

Fallassima nennt das einen Klacks und schiebt ihm etwas in die Brusttasche. Wenn er finde, was sie ihm gegeben habe, werde er sich an sie erinnern, ruft sie ihm aus der Ferne zu. Dann wird alles dunkel, und Timo schreckt hustend in der Wanne hoch.

Erst im Traum, als Fallassima ihn nach seinem Wunsch fragt, spricht Timo ihn aus, und er bekommt etwas mit, das ihn später daran erinnern wird.

Stehen bleiben, tief einatmen, für sich einstehen

In den Tagen danach verläuft alles wie gehabt. Doch am nächsten Mittwoch heften sich Mike und Olli nach dem Training wieder an Timos Fersen, und Mike brüllt, dieses Mal entwische er ihnen nicht. Timos Herz schlägt schneller, auf seiner Stirn bilden sich Schweißperlen, und schon während des Trainings haben ihm die Blicke der beiden, wie Anika Pätzold schreibt, eine Heidenangst eingejagt. Trotzdem bleibt er diesmal stehen, aus einem Grund, den er selbst nicht kennt.

Es ist, als läge eine unsichtbare Hand auf seiner Schulter, und ein Flüstern fordert ihn auf, in seine Hosentasche zu greifen. Dort ertastet er etwas Glattes, Kühles, einen funkelnden blauen Stein. Mit ihm kehrt die Erinnerung an den Traum und an seinen Wunsch zurück, und Timo kommt es vor, als höre er Fallassima „Nur Mut! Du bist großartig!“ rufen. In der Geschichte ist der Stein ein Zaubermittel und ein Erinnerungsstück, das ihm in diesem Augenblick Kraft gibt. Dann atmet Timo tief ein und dreht sich zu den beiden Älteren um.

Seine Antwort besteht aus drei Gedanken. Zuerst sagt er, er gebe bei jedem Training sein Bestes, und wenn ihnen das nicht reiche, sei das ihr Problem. Dann nennt er es feige, jemanden zu ärgern. Zuletzt erinnert er die beiden daran, dass sie auch einmal in seinem Alter waren. Dabei reckt er das Kinn vor und verschränkt die Arme, während er eine Woche zuvor noch den Blick auf seine Turnschuhe gesenkt hat. Mike und Olli tauschen verdutzte Blicke und bekommen nur ein unverständliches Herumdrucksen heraus.

Vielleicht fragst du dich, was ist, wenn ein Kind tatsächlich noch nicht so gut spielt wie die Älteren, so wie Olli es Timo vorhält. Die Geschichte verschweigt Timos Rückstand nicht. Seine laute Antwort stützt sich aber auf etwas, das in seiner eigenen Hand liegt, auf seinen Einsatz bei jedem Training.

Timos Weg legt dir als Mutter oder Vater nahe, weniger nach den richtigen Worten für dein Kind zu suchen als nach dem Moment, in dem es sich an seinen Mut erinnert. Beim Vorlesen kann dein Kind diesen Moment mit Timo erleben, bis zu seinem Vorsatz, sich von keinem anderen Kind mehr davon abhalten zu lassen, offen zu sagen, wenn er etwas unfair findet.

Häufige Fragen

Wie lernt mein Kind, für sich einzustehen, wenn ältere Kinder es ärgern?

Oft, indem es den Mut findet, Gedanken auszusprechen, die es längst hat. In Anika Pätzolds Geschichte weiß Timo schon beim ersten Mal, was er entgegnen könnte, läuft aber aus Angst davon. Erst nachdem er im Traum seinen Wunsch ausgesprochen hat und im entscheidenden Moment an seinen Mut erinnert wird, bleibt er stehen und antwortet den Älteren mit eigenen Worten.

Wie stärkt man bei Kindern das Selbstbewusstsein, damit sie sich nicht mehr alles gefallen lassen?

Anika Pätzolds Buch antwortet darauf mit einer Geschichte. Die Fantasiereise „Ein magisches Bad“ trägt den Untertitel „Selbstbewusstsein stärken“ und begleitet Timo vom Weglaufen über den Wunsch, selbstbewusster zu sein, bis zu dem Moment, in dem er mit vorgerecktem Kinn und verschränkten Armen selbstbewusst auftritt und den Älteren antwortet. Beim Vorlesen kann ein Kind diesen Weg Schritt für Schritt mitgehen.

Welche Sätze stärken das Selbstbewusstsein eines Kindes?

In Timos Geschichte ist es ein Satz, den er innerlich hört: Fallassimas Zuruf „Nur Mut! Du bist großartig!“, als die Älteren ihn ein zweites Mal verfolgen. Mit diesem Zuruf im Ohr und dem Stein in der Hand, der ihm Kraft gibt, dreht er sich zu ihnen um. Seinen eigenen Gedanken, er sei gut genug, sonst hätte der Trainer ihn nicht ins Team geholt, hat er schon beim ersten Mal gedacht, aber nicht ausgesprochen.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

Zur Person

Über Redaktion Remote Verlag

Die Redaktion des Remote Verlags stellt Bücher aus dem eigenen Programm vor und zeigt, was Leserinnen und Leser daraus für ihren Alltag mitnehmen können. Die Artikel beruhen auf den Büchern unserer Autorinnen und Autoren: Geschichten, Übungen und Gedanken stammen aus dem jeweiligen Buch und werden dort genannt.

Mehr über Redaktion Remote VerlagWebsite: remote-verlag.de

Alle Artikel zum Buch