Bodyshaming bei Kindern: Eine Vorlesegeschichte für Eltern, wenn das Kind nicht mehr essen will

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Inhalt6 Abschnitte
Schaubild mit drei Karten in einer Reihe, verbunden durch Pfeile: Kränkung, dann Essensplan, dann Stärkender Gedanke

Kurz gesagt

Bodyshaming bei Kindern meint abwertende Bemerkungen über Körper und Aussehen; Eltern sorgen sich besonders, wenn ihr Kind danach Diät halten oder nicht mehr essen will. Statt einer Anleitung bietet Anika Pätzold eine Vorlesegeschichte, die die Kränkung hinter dem Essensplan und einen stärkenden Gedanken zeigt: Gemeine Worte tun weh, glauben muss man sie nicht.

Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘

Das Wichtigste in Kürze

  • Justus will nichts mehr oder nur noch Gesundes essen, weil er hofft, dass ihn dann niemand mehr wegen seines Aussehens ärgert.
  • Seinen Plan verheimlicht er ausgerechnet vor der Mutter, obwohl sie spürt, dass etwas nicht stimmt.
  • Die Traumfigur Heronimus beschreibt das Sich-selbst-Mögen als Übung, die tägliches Erinnern braucht.
  • Die Wende der Geschichte kommt ohne jede Veränderung am Körper.

Justus steht vor dem Spiegel und zieht den Bauch ein, so lange, bis ihm schlecht wird. Am Tag zuvor hat der Nachbarsjunge Theo in der Umkleidekabine des Freibads etwas Gemeines über seinen Körper gesagt, und diese Worte gehen Justus nicht mehr aus dem Kopf. Jetzt überlegt er, ob er am besten gar nichts mehr essen sollte oder nur noch „gesundes Zeugs“, von dem er schnell dünn wird. Dann, so denkt er, kann ihn niemand mehr wegen seines Gewichts und Aussehens ärgern.

Wenn dein Kind nach einer Bemerkung über seinen Körper plötzlich nicht mehr essen will, findest du in dieser Szene womöglich deine eigene Sorge wieder. Anika Pätzold erzählt den Fall in der Fantasiereise „Das magische Seepferdchen“, ohne das Wort Bodyshaming zu benutzen, und sie erzählt ihn von innen, aus der Sicht des Jungen. Eine Anleitung für Eltern enthält ihr Buch nicht, denn es ist eine Sammlung von Fantasiereisen zum Vorlesen. So erfährst du beim Thema Bodyshaming bei Kindern zuerst, was in einem Kind vorgehen kann, das so gekränkt wurde, und erst danach, was die Geschichte Eltern in die Hand gibt.

Ein Felsbrocken auf der Brust und was hinter dem Essensplan steckt

Der Essensplan, den Justus vor dem Spiegel fasst, soll ihn also vor der nächsten Kränkung schützen. Dabei hatte er sich auf den Tag mit seinem besten Freund Marcel gefreut, auf das Freibad und einen Filmabend mit Chips und Popcorn, doch nach dem Erlebnis in der Umkleidekabine war ihm die Lust daran und auch am Essen gewaltig vergangen.

Unter diesem Plan liegt aber ein Gefühl, das Anika Pätzold über den Körper beschreibt. Als Justus sich vom Spiegel abwendet und nach seiner Schultasche greift, fühlt sich sein Brustkorb an, als läge ein riesiger Felsbrocken darauf, und er schlurft missmutig und traurig zur Tür.

Der Verzicht aufs Essen ist in dieser Geschichte also die Folge einer Kränkung, die schwer auf Justus lastet.

Was die Mutter bemerkt und was Justus verschweigt

Mit dieser Schwere in der Brust und der Schultasche auf dem Rücken läuft Justus an seiner Mutter vorbei. Er hat vergessen, dass heute hitzefrei ist, und auch das Frühstück hat er ausgelassen. Als die Mutter ihn darauf anspricht, gibt er kleinlaut zu, er habe auch das vergessen, obwohl das nicht ganz der Wahrheit entspricht, denn dass er von jetzt an Diät halten will, darf sie auf keinen Fall erfahren.

Die Mutter spürt trotzdem, dass etwas nicht stimmt. Schon am Vortag hatte sie den Eindruck, ihr Sohn sei ein bisschen durch den Wind, und sie fragt nach, ob in der Schule oder am Nachmittag mit Marcel etwas vorgefallen sei. Justus verneint beides, schiebt Müdigkeit vor und zwingt sich zu einem Lächeln. Er sieht ihr an, dass sie ihm nicht glaubt, weiß aber auch, dass sie ihn bis zum Mittagessen nicht weiter ausfragen wird.

Zurück in seinem Zimmer klettert Justus dann tatsächlich in sein Hochbett, obwohl er das eigentlich gar nicht vorhatte, denn die Traurigkeit über seinen Bauch macht ihn wirklich müde. Dort grübelt er allein weiter, wie lange er auf Essen verzichten muss, das ihm schmeckt, bis er so schlank ist wie Theo, und ob er einen Notfallplan braucht, falls ihn doch der Appetit auf Popcorn packt.

Aus diesen Szenen leitet die Geschichte keinen Rat für Eltern ab. Sie zeigt eine Mutter, die nachfragt, das Ausweichen bemerkt und ihren Sohn vorerst in Ruhe lässt, und einen Jungen, der seinen Essensplan gerade vor ihr verbirgt, obwohl sie längst spürt, dass es ihm nicht gut geht.

Wehtun ja, glauben nein

Über dem Grübeln schläft Justus ein, doch selbst im Traum lässt ihn der Plan nicht los. Er läuft über eine Straße, deren Bürgersteig aus seinen Lieblingskeksen besteht, und bückt sich schon nach einem, als er im letzten Moment innehält. „Das sollte ich lieber nicht tun“, erinnert er sich, und sofort ist das schwere Gefühl in seiner Brust wieder da.

Im selben Traum spricht er dann ungefragt aus, was er seiner Mutter verschweigt. Auf einer Bank aus Zuckerstangen entdeckt er ein winziges Wesen mit schimmernden blauen Flügeln, das genüsslich einen Schokomuffin isst. Ob es denn keine Angst vorm Dickwerden habe, platzt Justus heraus. Das Wesen wundert sich, und Justus erklärt, andere könnten es dann dick und hässlich nennen.

Daraufhin stellt sich das Wesen stolz als Heronimus vor, als „erster Traumwächter“ und nach eigenen Worten einer der besten Wunscherfüller aller Zeiten, und fragt, weshalb es ihn kümmern sollte, was andere über ihn denken. Justus hält dagegen, dass es wehtut, wenn jemand so über einen redet. Heronimus gibt ihm darin recht und trennt dann zwei Dinge, die für den Jungen bisher zusammengehörten.

„Das stimmt, es fühlt sich wirklich nicht gut an, wenn andere gemeine Dinge über einen sagen“, räumte Heronimus ein, „aber das heißt noch lange nicht, dass man sie glauben muss.“

Danach spricht er von dem, was der Untertitel der Geschichte „Selbstliebe entwickeln“ nennt. Wer sich selbst ganz doll lieb hat und mag, dem kann nach seinen Worten niemand auf der Welt für lange Zeit ein schlechtes Gefühl geben. Das braucht allerdings Zeit und Übung, doch wenn Justus sich jeden Tag daran erinnert, dass er ein toller Junge ist, und zwar, wie Heronimus sagt, „ganz egal, wie du aussiehst“, dann klappt es, verspricht der Wunscherfüller.

Heronimus versichert Justus nicht, er sei gar nicht dick. Den Wert des Jungen sucht er an einer Stelle, an der der Bauch keine Rolle spielt. Justus findet den sehr selbstbewussten Wunscherfüller zwar ein bisschen lustig, und doch ist Heronimus für ihn eine gute Inspiration.

Derselbe Bauch, ein anderes Gefühl

Ob diese Unterscheidung trägt, zeigt die Geschichte am Ende vor demselben Spiegel, vor dem sie begonnen hat. Als Justus aufwacht, klettert er aus dem Hochbett und betrachtet zum zweiten Mal an diesem Morgen seinen Bauch. Der Bauch steht immer noch etwas hervor, doch das schwere, traurige Gefühl in der Brust ist verschwunden. Am Nachmittag will Justus ins Schwimmbad gehen, und was Theo oder irgendjemand anderes über seinen Bauch, seine Arme oder sein Gesicht sagt, ist ihm jetzt schnurzpiepegal.

Er war Justus und er war gut, so wie er in diesem Augenblick dastand!

Am Körper des Jungen hat sich in dieser Geschichte nichts verändert, nur das Gefühl, mit dem er ihn ansieht.

Die Geschichte vorlesen, damit dein Kind sich in Justus wiederfindet

Was heißt das für dich, wenn dein Kind nach einem Spruch über seinen Körper nichts mehr essen will? Der Schritt, der sich aus dem Buch selbst ergibt, ist das Vorlesen. „Das magische Seepferdchen“ steht in Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder, und im Vorwort heißt es, die Geschichten hätten Heldinnen und Helden, mit denen sich Kinder identifizieren können. Zugleich sollen die Geschichten Kindern spielerisch Lektionen mitgeben, die sie in ihrem Alltag anwenden können.

Ein Kind, das wegen seines Bauchs traurig ist und darüber womöglich schweigt wie Justus, kann sich in ihm wiedererkennen. Die Lektion, die es aus dieser Geschichte mitnehmen kann, ist das Erinnern, von dem Heronimus spricht, also sich jeden Tag zu sagen, dass man toll ist, ganz egal, wie man aussieht.

Ob ein solcher Satz hilft, fragt sich in der Geschichte auch Justus. „Wie kannst du dir da so sicher sein?“, will er mit einem Hauch Hoffnung in der Stimme vom Traumwächter wissen. Heronimus antwortet, das wisse er aus eigener Erfahrung, und gibt ihm ein winziges hellblaues Seepferdchen mit, damit Justus das nie mehr vergisst.

Theos Worte haben für Justus ihr Gewicht verloren. In der Geschichte hängt die Wende daran, ob Justus solchen Worten glaubt, und auf diese Frage richtet sich damit auch dein Blick bei deinem Kind. Den Satz, mit dem Heronimus Justus stärkt, kann sich auch dein Kind jeden Tag sagen, so wie der Traumwächter es Justus rät.

Häufige Fragen

Wie können Eltern reagieren, wenn Bodyshaming ihr Kind trifft und es danach nicht mehr essen will?

Eltern können ihrem Kind eine Geschichte vorlesen, die genau diesen Fall erzählt. Darin behält Justus seinen Essensplan für sich, während die Mutter etwas ahnt und ihm nicht glaubt. Erst im Traum hört er, dass gemeine Worte zwar wehtun, man ihnen aber nicht glauben muss. Nach dem Vorwort sollen Kinder sich in solchen Heldinnen und Helden wiederfinden und Lektionen für ihren Alltag mitnehmen; ein Leitfaden für Eltern ist das Buch dagegen nicht.

Das Kind fasst sich an den Bauch und sagt, es sei fett. Was können Eltern tun?

Die Geschichte von Justus zeigt eine Figur, die ein solches Gefühl zuerst ernst nimmt. Der Traumwächter Heronimus bestätigt, dass sich gemeine Worte schlecht anfühlen, und löst dann den Glauben an diese Worte vom Gefühl. Er spricht nicht über das Gewicht, sondern über den Wert des Jungen und darüber, dass sich selbst zu mögen Zeit und tägliches Erinnern braucht. Einen Rat für Eltern gibt das Buch dazu nicht, es sind die Worte einer Figur.

Sollte ein Kind besser abnehmen, um nicht mehr gehänselt zu werden?

Die Geschichte von Justus erzählt einen anderen Weg. Er glaubt zuerst, dass ihn niemand mehr ärgern kann, sobald er dünn ist. Gelöst wird seine Lage aber ohne Veränderung am Körper, denn der Bauch steht am Ende weiter hervor, während die Schwere in der Brust verschwunden ist und er ins Schwimmbad gehen will. Zum Gewicht selbst äußert sich das Buch nicht.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

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