Dabei sein ist alles? So hilfst du deinem Kind nach einer Niederlage
Veröffentlicht am von Redaktion Remote Verlag · 6 Min. Lesezeit
Inhalt6 Abschnitte

Kurz gesagt
„Dabei sein ist alles“ heißt für Kinder, dass ein Wettkampf auch ohne Sieg etwas wert ist, weil man mitmacht, übt und dabei besser wird. Glaubwürdig wird das, wenn jemand ehrlich von eigenen Niederlagen erzählt und das Dabeisein würdigt. So zeigt es Anika Pätzold in einer Vorlesegeschichte über die kleine Elfe Mathilda.
Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘
Das Wichtigste in Kürze
- Hinter Mathildas Rückzug steckt der Vergleich mit einer schnelleren Freundin; als Dritte bei einem Flug unter Freundinnen war sie noch stolz auf sich.
- Die ältere Belinda nennt das Verlieren offen doof und erzählt, wie Üben und Abschauen bei den Älteren ihr halfen.
- Mathilda vergeigt beim Üben mehr als die Hälfte der Manöver und lässt sich trotzdem nicht mehr entmutigen.
- Ein Zuruf wie „Super, dass du dabei bist“ würdigt das Mitmachen, bevor ein Ergebnis feststeht.
- Eine weitere Geschichte des Buchs nennt die Freude als Sinn des Tuns, auch wenn andere am Können zweifeln.
An einem duftenden Frühlingstag landen die junge Elfe Mathilda und ihre Freundinnen Belinda und Saskia nach einem Wettflug über den glitzernden See auf einer Lichtung und legen sich satt von Saftbeeren ins weiche Gras. Mitten in die Stille fragt Belinda, ob sich die anderen beiden schon auf den großen Wettkampf in zwei Wochen vorbereitet haben. Saskia übt jeden Tag mindestens eine halbe Stunde. Mathilda dagegen verschränkt die Hände auf dem Bauch und sagt, ihre Flügel seien nicht groß genug, um mitzumachen.
Diese Szene erzählt Anika Pätzold in ihrem Buch Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder, in einer Geschichte über Selbstvertrauen bei Niederlagen. Mathilda ist jünger als ihre Freundinnen, und deshalb sind ihre Flügel noch lange nicht so groß wie die der beiden anderen. Sie zieht sich leise zurück und will gar nicht erst antreten, weil sie sich den anderen unterlegen fühlt. Für ein Kind in dieser Lage klingt „Dabei sein ist alles“ zunächst wenig überzeugend. Was braucht es also, damit Kinder wie Mathilda trotzdem gern mitmachen?
„Keine Chance auf den ersten Platz“ als eigentlicher Grund
Belinda lässt den Einwand nicht gelten. Sie richtet sich auf und hält dagegen, dass über die Teilnahme am Wettkampf das Alter entscheide und nicht die Größe der Flügel. Saskia ergänzt, Mathilda sei demnach eindeutig qualifiziert. Damit ist der erste Grund vom Tisch, und es kommt zum Vorschein, was Mathilda wirklich bremst. Sie seufzt, stützt sich auf die Unterarme und stellt eine Frage.
Aber was bringt es denn, wenn ich teilnehme und letztlich doch keine Chance auf den ersten Platz habe?
Dann sieht sie Belinda an und sagt, die Freundin sei stets so viel schneller als sie, ganz egal, wie sehr sie sich anstrenge.
Aufschlussreich ist, was kurz vorher geschehen ist. Beim Wettflug über den See hat Mathilda einen Zahn zugelegt und die Zähne aufeinandergebissen, ins Ziel gekommen ist sie am Ende als Dritte. „Macht nichts“, hat sie dabei gedacht, und stolz auf sich war sie trotzdem. Die Unlust kommt also erst auf, sobald es um den großen Wettkampf geht, um den ersten Platz und um die schnellere Belinda.
Belindas eigene Geschichte von der allerletzten Elfe
Auf Mathildas Einwand antwortet Belinda mit einer Erinnerung. Sie hält Mathildas Blick fest und gibt ihr zunächst sogar recht. „Mag sein“, sagt sie und fragt dann, ob Mathilda wisse, wie es noch vor hundertfünfzig Jahren war. Damals war Belinda selbst die Junge unter den Älteren und bei Wettflügen jedes Mal die allerletzte Elfe im Ziel. Mathilda macht große Augen, so unvorstellbar ist das für sie. Ob sie deshalb das Training aufgegeben habe, fragt Belinda und gibt die Antwort gleich selbst.
Ich habe trotz allem immer daran geglaubt, dass ich irgendwann besser werde, wenn ich nur weiter übe!
Schönreden will sie die Zeit trotzdem nicht. Mit einem Schulterzucken gibt sie zu, dass es doof war, andauernd gegen die Älteren zu verlieren. Mit der Zeit habe sie sich bei ihnen aber einiges abgeschaut, und das habe ihr geholfen, besser zu werden.
Diese Erinnerung zeigt, warum der Rat bei Mathilda ankommt. Er stammt von jemandem, der dieselbe Lage kennt. Mathilda fasst danach zusammen, was die Freundinnen ihr raten. Sie solle also mitmachen, auch wenn sie ziemlich sicher sei, nicht zu gewinnen? Belinda und Saskia nicken. Mathilda lässt sich zurück ins Gras sinken und sagt: „Ich könnte es versuchen.“
Üben, auch wenn mehr als die Hälfte misslingt
In den nächsten Tagen macht Mathilda mit dem Rat ihrer Freundinnen ernst. Jeden Morgen bei Sonnenaufgang dreht sie eine Runde über dem See und malt sich dabei den Wettkampf aus, die Elfen, gegen die sie antreten wird, und die eleganten Flugmanöver, mit denen sie ihnen begegnen will. Mehr als die Hälfte dieser Manöver vergeigt sie bei jeder Übungsstunde. Entmutigen lässt sie sich davon nicht mehr, weil die Worte ihrer Freundinnen etwas in ihr bewegt haben. Was Belinda damals gelungen ist, traut sie sich nun auch selbst zu.
Freude als Sinn des Tuns
Einen weiteren Grund, bei einer Sache zu bleiben, nennt eine andere Geschichte im Buch, wenn auch in einer anderen Lage. Sie stellt die Freude am eigenen Tun über das Ergebnis. Dort wird das Mädchen Nathalie aus dem Schulorchester genommen, weil sie nach den Worten ihres Musiklehrers noch mehr Übung braucht. Im Traum erscheint ihr danach die Elfe Fallassima, die gespürt hat, dass Nathalie ihre Hilfe braucht. Nathalie wünscht sich, trotzdem beim Herbstkonzert mitspielen zu dürfen. Fallassima fragt zurück, ob das wirklich der richtige Wunsch sei, und hält etwas anderes für noch wichtiger, nämlich dass Nathalie die Freude am Trompetespielen nie verliert, ganz gleich, was andere sagen. Darauf gesteht Nathalie, dass sie ihre Trompete und das Spielen liebt, aber manchmal nicht weiß, welchen Sinn das Weitermachen hat, wenn andere sagen, sie sei nicht gut darin. Fallassima antwortet:
Der Sinn all deiner Handlungen sollte doch stets sein, dass du Freude daran hast und nichts weiter!
Dann will die Elfe wissen, ob Nathalie mit ganzem Herzen dabei ist, wenn sie spielt, und Nathalie nickt eifrig. Hier spricht eine Elfe in einem Traum, und es geht um einen Ausschluss, nicht um ein verlorenes Rennen. Der Gedanke passt trotzdem zu Mathilda, denn ein Kind, das merkt, dass andere schneller sind, kann darin einen Wert finden, der nicht vom Platz im Ziel abhängt.
Auf halber Strecke geht die Puste aus
Am Tag des großen Wettkampfs steht Mathilda mit den anderen Elfen am Start. Belinda zwinkert ihr zu, und Saskia ruft ihr ein stummes „Super, dass du dabei bist“ zu. Noch hat Mathilda keinen Flügelschlag getan, und schon wird gewürdigt, dass sie überhaupt mitfliegt. Dann ertönt der Startschuss, und Mathilda legt sich mächtig ins Zeug. Auf halber Strecke geht ihr die Puste aus. Doch sie sammelt alle Kraft, die sie noch hat, und feuert sich in Gedanken mit „Ich schaffe das“ an. Mit Mathilda gibt die Geschichte einem Kind einen Satz mit, den es sich selbst sagen kann, wenn es mitten im Wettkampf merkt, dass ihm die Puste ausgeht, ganz leise und nur für sich.
Und wenn es trotzdem nicht für vorn reicht? Mathilda wird Fünfte, und nach Belindas Worten ist das eine große Nummer für den allerersten Wettkampf. Mathilda nimmt ihre Freundinnen in den Arm und dankt ihnen für die Ermutigung, trotz ihrer kleinen Flügel anzutreten. Es sei toll gewesen, sagt sie, sie freue sich schon auf den nächsten Wettkampf und werde dort sicher wieder ein bisschen besser sein. Saskia antwortet, mit fleißigem Üben werde sie das ganz bestimmt.
Mathilda geht aus dem Rennen mit Vorfreude auf das nächste. Einen Wettkampf misst sie jetzt daran, dass sie dabei war und ein Stück besser geworden ist, und der Abstand zur Spitze verliert seinen Schrecken. Für ein Kind, das sich in Mathilda wiedererkennt, kann „Dabei sein ist alles“ so zu einem Satz werden, an den es selbst glaubt. Aus der Sorge, keine Chance auf den ersten Platz zu haben, wird dann die Freude auf den nächsten Start.
Häufige Fragen
Was tun, wenn ein Kind das Gefühl hat, keine Chance auf einen Gewinn zu haben?
Eine ehrliche Erzählung von jemandem, der selbst oft verloren hat, hilft in der Geschichte des Buchs. Die ältere Belinda berichtet, dass sie früher als Jüngere unter Älteren stets als Letzte ankam, nicht aufgab und durch Üben und Abschauen besser wurde. Mathilda will es danach versuchen, obwohl sie nicht mit einem Sieg rechnet. So bekommt „Dabei sein ist alles“ für Kinder einen Inhalt, den sie nachvollziehen können.
Was tun, wenn ein Kind im Sportverein deutlich jünger ist als die anderen?
Die Geschichte im Buch setzt auf das Vorbild einer Älteren, die selbst einmal die Junge unter Älteren war. Erzählt wird das bei einem Wettflug unter Elfen, bei dem Mathildas Flügel kleiner sind, weil sie jünger ist. Belinda erzählt ihr, dass sie sich früher bei den Älteren einiges abgeguckt hat und dass ihr das half, besser zu werden.
Wie bringt man einem Kind bei, dass Verlieren okay ist?
Die Geschichte zeigt es, statt es zu erklären. Mathilda nimmt einen dritten Platz mit einem gedachten „Macht nichts“ hin, und Belinda gibt zu, dass Verlieren doof ist, übt aber weiter. Nach Platz fünf im großen Wettkampf freut sich Mathilda schon auf das nächste Rennen.
Wie helfen Eltern Kindern, mit Niederlagen umzugehen und trotzdem gern mitzumachen?
In der Geschichte des Buchs wirken drei schlichte Dinge, nämlich eine ehrliche Erzählung von eigenen Niederlagen, ein Würdigen des Dabeiseins vor dem Start und die Freude auf das nächste Mal. Dort übernehmen Freundinnen diese Rolle. Belinda erzählt, wie oft sie früher verloren hat, Saskia ruft Mathilda vor dem Start „Super, dass du dabei bist“ zu, und nach Platz fünf freut sich Mathilda auf den nächsten Wettkampf. Als Vorlesegeschichte kann Mathildas Erlebnis Eltern und Kindern Worte für solche Momente geben.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.