Angst bei Kindern ist normal: was zwei Fantasiegeschichten über Scham und Schutz erzählen

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Schaubild: Ein Pfeil führt von der Karte Angst bei Kindern zu einer Karte mit dem Kopf Aufgabe und dem großen Wort Schutz.

Kurz gesagt

Angst bei Kindern ist normal und hat eine Aufgabe: Sie warnt und schützt. So sagt es ein Schmetterling in Anika Pätzolds Fantasiereise „Das Glücksportal“, in der für ein Kind vor allem das Gefühl schwer wiegt, mit seiner Angst allein und deshalb nicht richtig zu sein. Wann Angst zu stark ist, sagt das Buch nicht.

Antwort von Redaktion Remote Verlag zum Buch ‚Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder‘

Das Wichtigste in Kürze

  • In den Geschichten sind Ängste verschieden, und was ein Kind fürchtet, kann andere begeistern.
  • Auch der Schmetterling hat nur „meistens“ keine Angst mehr; kommt sie doch, denkt er an eine Blume, die er liebt.
  • In der Halloween-Geschichte erschrickt auch der gruselbegeisterte Dandrus, und für Gaspar zeigt das, dass Angst kein Grund zur Scham ist.
  • Das Buch erzählt von Angst in Fantasiegeschichten zum Vorlesen, in deren Figuren sich ein Kind wiedererkennen kann.

Sascha schreit so laut, dass die Wände des Schlosses Morgula wackeln und eine Fensterscheibe zerspringt. Dann hechtet der junge Elf neben den großen weißen Kleiderschrank, denn die Elfe Isabell hat ihm eine weitere Handvoll Glitzerstaub entgegengeworfen. Mit diesem Glitzerstaub gelangen Elfen zu den Menschen. Alle anderen Elfen lieben ihn, nur Sascha fürchtet sich davor, und er ist sich sicher, dass Isabell sich deshalb gar nicht in ihn hineinversetzen kann.

Anika Pätzold erzählt diese Szene in Entspannte Fantasiereisen für gefühlsstarke Kinder, in der Geschichte „Das Glücksportal“. Wer ein Kind hat, das sich vor etwas fürchtet, worauf sich andere freuen, fragt sich bei so einer Szene vielleicht, ob Angst bei Kindern ein Grund zur Sorge ist, gerade wenn sie oft kommt.

Kriterien dafür, wann eine Angst zu häufig oder zu stark ist, nennt das Buch nicht. Seine Geschichten zeigen aber, was für ein Kind dabei schwerer wiegen kann als die Angst selbst.

„Kein richtiger Elf“: wenn sich die Angst wie ein Makel anfühlt

Was Saschas Angst so schwer macht, hängt mit seiner Aufgabe zusammen. Laut dem Buch der Regeln und Weisheiten der Elfengemeinschaft sollen Elfen für die Menschen da sein und sie bei ihren Problemen unterstützen. Diese Aufgabe soll Sascha als Traumwächter und Wunscherfüller übernehmen, doch ohne den Glitzerstaub kommt er nicht zu den Menschen.

Nach seiner Flucht aus dem Schloss trifft er im Elfengarten einen gelben Schmetterling, der von einem Portal in die Menschenwelt erzählt. Sascha bittet ihn, es ihm zu zeigen. Der Schmetterling will ihm den Ort aber erst verraten, wenn Sascha ihm sagt, wozu er das Portal braucht, denn Elfen haben doch Glitzerstaub. Leise gesteht Sascha, dass er sich vor dem Glitzerstaub fürchtet, und dann folgt der Satz, der ihn wirklich bedrückt.

Deshalb war ich noch nie bei den Menschen und bin wahrscheinlich gar kein richtiger Elf.

Beim Aussprechen sinkt Sascha in sich zusammen und rechnet damit, dass der Schmetterling gleich in Gelächter ausbricht. An dieser Stelle zeigt die Geschichte, dass ihn neben der Angst vor allem der Schluss belastet, den er daraus über sich zieht. Ähnlich geht es in einer anderen Geschichte des Buchs dem Gnommädchen Nina, die ihrer Freundin nichts von ihrer Angst vor einer Prüfung erzählt, weil sie sicher ist, dass weder ihre Freundin noch die anderen Gnome diese Angst verstehen würden. Für ein Kind in dieser Lage hängt an der Angst also eine zweite, leisere Frage, nämlich ob es mit ihr noch dazugehört.

Die schwarze Blume und eine Angst, die nur der Schmetterling hatte

Doch der Schmetterling lacht nicht. Er sagt bloß, dass er verstehe, und als Sascha vorsichtig nachfragt, ob er das gar nicht komisch finde, zuckt er die Achseln und verneint. Dann erzählt er von sich.

Kurz nachdem er aus seinem Kokon geschlüpft war, sah der Schmetterling eine Blume, die anders aussah als alle, die er bis dahin kannte. Ihre Blütenblätter waren schwarz, und wie er sagt, hat ihm das eine Heidenangst eingejagt. Das Doofe daran war für ihn, dass es nur ihm so ging. Alle anderen Schmetterlinge, die er kannte, waren ganz begeistert von genau dieser Blume.

Damit stellt die Geschichte Saschas Schluss eine andere Erfahrung gegenüber. Was die einen begeistert, kann einem anderen Angst machen.

Den Blick auf die bunten Blumen lenken

„Und was hast du dann gemacht?“, will Sascha wissen. Der Schmetterling hat sich damals vorgenommen, die schwarze Blume nicht mehr anzufliegen und sich auf die vielen bunten zu konzentrieren, die er liebt. Hoffnungsvoll fragt Sascha nach, ob er seitdem keine Angst mehr habe, wenn er doch einmal eine schwarze sieht.

„Meistens nicht“, antwortet der Schmetterling. Wenn die Angst doch kommt, denkt er daran, wie er die nächste pinke Lilie anfliegt, wie süß ihr Nektar schmecken und wie glücklich ihn ihre Farbe machen wird.

Mit diesem „Meistens“ verspricht die Geschichte nicht, dass die Angst ganz verschwindet. Es ist der eigene Weg des Schmetterlings für den Moment, in dem sie wiederkommt. Sascha ist danach sprachlos, denn er hätte nie damit gerechnet, dass ausgerechnet ein Schmetterling, der so ganz anders ist als er, so genau versteht, wie er sich fühlt.

Jeder hat mal Angst, und sie beschützt

Ganz am Ende der Begegnung, als Sascha sich bedankt, antwortet der Schmetterling, dass jeder mal Angst hat und dass das ganz normal ist. Dann fügt er hinzu:

Es ist auch ungeheuer wichtig, denn Angst ist eine Warnung unseres Körpers und beschützt uns!

Damit verbindet der Schmetterling zwei Gedanken. Angst gehört zu allen, und sie hat eine Aufgabe, weil sie warnt und schützt. Wer so auf seine Angst blickt, muss sie nicht als Fehler an sich selbst verstehen.

Eine zweite Geschichte des Buchs trägt diesen Gedanken in eine ganz andere Lage. Der Gnomjunge Gaspar mag Halloween gar nicht, genau genommen hasst er diesen Tag. Beim Klingeln von Haus zu Haus weiß er nie, welches Gespenst, welcher Vampir oder Yeti ihn hinter der Tür erschrecken könnte. Sein Freund Dandrus dagegen ist ganz wild aufs Gruseln.

Vor dem Haus der alten Helma neckt Dandrus ihn wegen seiner Angst und verspricht, ihn zur Not zu beschützen. Dann öffnet statt Helma ein zwei Meter großer Vampir die Tür, und beide Jungen laufen schreiend davon. Später entschuldigt sich Dandrus, denn am Ende hatte er genauso große Angst wie Gaspar. Gaspar zieht daraus seinen eigenen Schluss. Wenn sogar die Knie seines coolen Freundes manchmal schlottern, denkt er, geht es garantiert jedem Gnom hin und wieder so, und es gibt keinen Grund, sich für seine Angst zu schämen.

Für ein Kind, das etwas fürchtet, worauf sich andere freuen, erzählen beide Geschichten damit, dass auch die Kinder um es herum Angst kennen.

Saschas Herbstblätter und das, was dein Kind gern mag

Kurz vor dem Abschied vom Schmetterling, noch bevor dieser ihm das Portal zeigt, überlegt Sascha laut, ob er es mit dem Glitzerstaub genauso machen kann wie der Schmetterling mit der schwarzen Blume. Dabei denkt er an die herumwirbelnden bunten Herbstblätter, die er gern mag. Dann erklärt ihm der Schmetterling, dass er nur über den Baumstamm hinauffliegen und dreimal „Bitte öffne dich“ sagen muss, um durch das Portal zu gelangen. So kann Sascha auch ohne Glitzerstaub zu den Menschen kommen und, wie er hofft, trotzdem ein richtiger Traumwächter und Wunscherfüller werden. Er spürt, wie sich etwas in ihm entspannt.

Beim Vorlesen lässt sich Saschas Überlegung in eine Frage an dein Kind übersetzen. Was sind seine Herbstblätter, also die Dinge, die es so gern mag wie der Schmetterling die bunten Blumen? Wie beim Schmetterling wäre das ein Gedanke für den Moment, in dem die Angst kommt, und Sascha findet daneben mit dem Portal einen Weg zu seiner Aufgabe, der zu ihm passt.

In beiden Geschichten ist Angst etwas, das jeder kennt, und der Schmetterling nennt sie sogar einen Schutz. Ein Kind, dem du diese Geschichten vorliest, kann darin hören, dass es, wie Gaspar folgert, keinen Grund gibt, sich für seine Angst zu schämen.

Häufige Fragen

Ist es schlimm, wenn mein Kind Angst hat, und wozu ist Angst bei Kindern gut?

Die Geschichten im Buch behandeln Angst als etwas Normales, das jeder kennt. Der Schmetterling aus „Das Glücksportal“ nennt sie sogar ungeheuer wichtig, weil sie den Körper warnt und so beschützt. Ab wann eine Angst zu stark oder zu häufig ist, beantwortet das Buch nicht.

Was sage ich meinem Kind, wenn es sich für seine Angst schämt, weil andere Kinder keine haben?

Du kannst ihm erzählen, dass Ängste verschieden sind und dass auch Kinder, die mutig wirken, Angst haben; so zeigen es die Geschichten im Buch. Der Schmetterling fürchtete eine Blume, die alle anderen Schmetterlinge liebten. Gaspar erlebt an Halloween, dass auch sein gruselbegeisterter Freund erschrickt, und folgert daraus, dass es jedem Gnom hin und wieder so geht.

Wie kann ich die Ängste meines Kindes normalisieren, ohne es zu beschämen?

Indem du die Angst ernst nimmst und nicht komisch findest, so wie der Schmetterling in der Geschichte. Sascha erwartet nach seinem Geständnis Gelächter, doch der Schmetterling lacht nicht und sagt später, dass jeder mal Angst hat.

Was hilft einem Kind, wenn die Angst trotzdem wiederkommt?

In der Geschichte hilft dem Schmetterling der Gedanke an etwas, das er liebt. Packt ihn beim Anblick einer schwarzen Blume doch die Angst, stellt er sich die nächste pinke Lilie und ihren süßen Nektar vor. Sascha will es mit dem Glitzerstaub genauso versuchen und denkt dabei an bunte Herbstblätter; als Rat formuliert das Buch diesen Weg nicht.

Mein Kind hat an Halloween Angst, ist das normal?

Die Halloween-Geschichte im Buch behandelt diese Angst als etwas, das auch andere kennen. Der Gnomjunge Gaspar hasst den Tag, weil er nie weiß, wer ihn hinter einer Tür erschrecken könnte. Als ein Vampir öffnet, erschrickt auch sein gruselbegeisterter Freund Dandrus und gibt später zu, genauso große Angst gehabt zu haben, und Gaspar merkt, dass es keinen Grund gibt, sich dafür zu schämen.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

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