Warum Blickkontakt mehr bringt als jede einstudierte Gestik
Veröffentlicht am von Wladislaw Jachtchenko · 5 Min. Lesezeit
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Kurz gesagt
Blickkontakt wirkt nicht nur selbstbewusst, er liefert Ihnen während des Sprechens eine Rückmeldung: Sie sehen am Gesicht Ihres Gegenübers, ob Ihre Botschaft ankommt. Einstudierte Gestik kann das nicht leisten, sie unterstreicht nur, was Sie sagen.
Das Wichtigste in Kürze
- Blickkontakt baut Vertrauen auf, sein größter Nutzen ist aber die Rückmeldung aus dem Gesicht Ihres Gegenübers.
- Als Führungskraft beobachtet Ihr Team Sie bei Ansprachen genauer als andere Mitarbeiter, Ihre eigene Wirkung zählt damit mehr.
- Die meisten Menschen können ihre Körpersprache kaum steuern, deshalb sind Stirnrunzeln und Nicken verlässliche Signale.
- Bei Stirnrunzeln erklären Sie denselben Punkt anders, statt zum nächsten Argument zu springen.
- Für Handbewegungen gibt es kein Richtig und Falsch, ein paar passende genügen.
Sie stehen vor Ihrem Team und halten eine kurze Ansprache. In Ihrem Kopf läuft die Frage mit: Wohin mit den Händen? Diese Frage beschäftigt viele Führungskräfte, und sie ist die falsche erste Frage.
Denn das wichtigste Werkzeug bei einer Ansprache sind nicht Ihre Hände, sondern Ihre Augen. Blickkontakt baut Vertrauen auf, suggeriert Kompetenz und strahlt Selbstbewusstsein aus. Doch der entscheidende Grund ist ein anderer: Nur mit Blickkontakt sehen Sie, wie Ihre Botschaft gerade ankommt. Und nur dann können Sie noch im selben Gespräch nachsteuern.
Was Blickkontakt beim Reden vor dem Team wirklich leistet
Blickkontakt ist Ihr Rückkanal. Während Sie sprechen, zeigt Ihnen Ihr Gegenüber ununterbrochen, was gerade bei ihm passiert. Der eine schaut verlegen weg, der andere runzelt die Stirn, ein Dritter schüttelt leicht den Kopf. Das sind kleinste Reaktionen, und Sie bekommen sie nur mit, wenn Sie hinsehen. Wer auf seine Notizen starrt, spricht praktisch in den Raum hinein und erfährt erst hinterher, ob etwas angekommen ist.
Als Führungskraft werden Sie häufiger kleine Ansprachen halten, Meetings leiten und präsentieren. Damit steht Ihre Körpersprache stärker unter Beobachtung als die Ihrer Mitarbeiter. Darin liegt eine Chance: Sie können Ihre Redewirkung steigern und Ihre Botschaft schneller in die Köpfe der Belegschaft bringen. Je genauer Sie dabei in die Gesichter schauen, desto früher merken Sie, wann ein Punkt sitzt. Wie stark das Auftreten darüber mitentscheidet, wem ein Unternehmen Führung zutraut, zeigt das Peter-Prinzip bei Beförderungen.
Warum die Körpersprache Ihres Teams ehrlicher ist als die Worte
Die meisten Menschen sind schlechte Schauspieler und können ihre Körpersprache nicht kontrollieren. Der Körper spricht die Wahrheit, auch wenn der Sprecher das gar nicht will. Zuhörer spüren das und glauben weniger dem Wort als der Körpersprache. Sagt ein Kollege, er freue sich auf die Weihnachtsfeier, schaut dabei aber verlegen nach unten, dann achten die anderen eher auf den Blick nach unten. Zu Recht, denn Körpersprache lässt sich viel schwerer manipulieren als das gesprochene Wort.
Für Sie heißt das zweierlei. Erstens: Wenn Ihr Mitarbeiter im Meeting „Ja, klar“ sagt und dabei die Stirn runzelt, haben Sie eine Information, die im Protokoll nie auftauchen würde. Zweitens gilt das auch umgekehrt. Auch Ihr Team liest Ihre Körpersprache und glaubt ihr mehr als Ihren Worten. Wer eine Entscheidung verkündet und dabei selbst unsicher nach unten schaut, überzeugt niemanden.
Was ich tue, wenn ein Zuhörer die Stirn runzelt
Ich habe an Rhetorik-Wettbewerben und Debattier-Weltmeisterschaften teilgenommen und dort viel gewonnen. Das lag nur zum Teil an meiner Redekunst. Wichtiger war, die Jury genau zu beobachten und mitzubekommen, wann sie ein Argument geschluckt hatte. Runzelte ein Juror beim ersten Argument die Stirn, brachte es nichts, einfach zum zweiten Argument weiterzugehen. Dann musste ich denselben Punkt noch einmal anders erläutern oder mit einem neuen Beispiel belegen. Erst beim Nicken und bei einer Notiz auf dem Zettel machte ich mit dem zweiten Argument weiter.
Im Alltag funktioniert das genauso. Nehmen Sie Ihr nächstes Mitarbeitergespräch. Sie begründen, warum eine Aufgabe neu verteilt wird, und am Gesicht Ihres Kollegen sehen Sie, dass er Ihrer Begründung nicht folgen kann oder nicht folgen will. Dann reden Sie nicht weiter, sondern begründen dieselbe Sache aus einer anderen Perspektive oder mit einem anderen Beispiel. Dabei halten Sie den Blickkontakt und achten weiter auf Zustimmung und Ablehnung. Erst wenn Ihr Gegenüber nickt, gehen Sie zum nächsten Punkt. Probieren Sie das im nächsten Gespräch mit genau einem Punkt aus, der Ihnen wichtig ist.

Wohin mit den Händen: Ihr eigenes Gestik-Vokabular
Bleibt die Frage vom Anfang: die Hände. Gestik hat eine klare Aufgabe. Sie unterstreicht das Gesagte, damit sich der Inhalt beim Zuhörer besser einprägt. Ob Ihre Botschaft ankommt, zeigt sie Ihnen allerdings nicht. Diese Rückmeldung liefert nur der Blick.
In der Praxis nutzen viele Menschen ihre Hände beim Sprechen überhaupt nicht. Die Arme hängen wie zwei tote Fische am Körper. Oder es gibt eine verkrampfte Handposition, die die ganze Rede über gehalten wird. Oder der Redner spielt an einem Stift, einem Presenter oder einem Ring herum und zeigt damit allen seine Nervosität.
Das wichtigste Werkzeug dagegen ist das selbst gemachte Gestik-Vokabular: eine kleine Sammlung von Handbewegungen, die Sie sich für Inhalte festlegen, die bei Ihnen immer wiederkehren. Gut oder schlecht, zu viel oder zu wenig gibt es dabei nicht. Wichtig ist allein, dass einige Bewegungen vorkommen, die zum Inhalt passen und ihn sichtbar machen. Gehen Sie dafür Ihre nächste Besprechung im Kopf durch und suchen Sie zwei oder drei Worte heraus, die bei Ihnen in fast jedem Meeting vorkommen. Für jedes dieser Worte legen Sie eine Handbewegung fest und nutzen sie von jetzt an immer an dieser Stelle. Sagen Sie etwa „Das hat zwei Seiten“ und bewegen dabei beide Hände wie die Schalen einer Waage.
Vier Gesten, mit denen Sie sofort anfangen können
Ihr Gestik-Vokabular ist am Anfang klein. Mit diesen vier Bewegungen haben Sie eine brauchbare Grundausstattung für das nächste Meeting:
- Bei mehreren Punkten zählen Sie an den Fingern mit.
- Wenn Sie etwas abwägen, bewegen Sie beide Hände abwechselnd auf und ab wie die Schalen einer Waage.
- Wenn Sie etwas präzisieren, tippen Sie mit dem Zeigefinger kurz nach vorn in die Luft, als setzten Sie einen Punkt.
- Wenn das Publikum aufpassen soll, heben Sie den Zeigefinger.
Ausbauen lässt sich diese Sammlung leicht. Sehen Sie bei einem anderen Menschen eine schöne und passende Geste, schauen Sie sie einfach ab und trainieren sie zu Hause ein. Denn ein Mensch mit aussagekräftiger Gestik wirkt selbstbewusster und kompetenter. Nur bleibt dabei die Reihenfolge wichtig: Erst der Blick auf die Gesichter, dann die Hände. Wie Sie beides als Führungskraft zusammenbringen, zeige ich ausführlich in meinem Buch.

Häufige Fragen
Was ist Gestik?
Gestik sind die Handbewegungen, mit denen Sie das Gesagte unterstreichen, damit es sich beim Zuhörer besser einprägt. Damit der Inhalt hängen bleibt, hilft eine kleine Sammlung eigener Handbewegungen für Worte und Konzepte, die bei Ihnen oft vorkommen.
Was ist Körpersprache, Gestik und Mimik?
Körpersprache ist alles, was Ihr Körper beim Sprechen mitteilt, vom Blick über die Hände bis zur Haltung. Gestik meint dabei die Handbewegungen, Mimik das Gesicht, also etwa Stirnrunzeln oder ein verlegener Blick nach unten. Weil die meisten Menschen ihre Körpersprache kaum kontrollieren können, verrät sie oft mehr als das gesprochene Wort.
Ich halte als Führungskraft regelmäßig kurze Ansprachen und schaue dabei oft auf meine Notizen. Was verliere ich konkret, wenn ich keinen Blickkontakt halte?
Sie verlieren die Rückmeldung in Echtzeit. Das Stirnrunzeln, das Kopfschütteln oder den verlegenen Blick Ihres Gegenübers bekommen Sie schlicht nicht mit und können deshalb auch nicht nachsteuern. Dazu kommt, dass Ihre eigene Wirkung leidet, wenn Ihr Blick die ganze Zeit auf dem Zettel liegt.
