So stärken Sie den Teamgeist im Arbeitsalltag statt beim Bowlingabend

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Schaubild zu Teamgeist: zwei Karten im Vergleich, links Event am Wochenende, rechts Tägliche Arbeit

Kurz gesagt

Teamgeist entsteht vor allem bei der täglichen Arbeit, nicht beim Event am Wochenende. Als Führungskraft sorgen Sie für ein klar kommuniziertes Ziel, eine überschaubare Teamgröße, faire Kommunikation, gemeinsame Pausen und gefeierte Erfolge.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Wirkung von Paintball, Floßbau oder Kochkurs verpufft relativ schnell, deshalb ist ein Event die falsche Antwort auf die Frage nach dauerhaftem Zusammenhalt.
  • Ein Team sollte so klein sein, dass jeder jeden kennt.
  • Beteiligen Sie Ihr Team an der Wochen- und Monatsplanung, statt Aufgaben nur zu verteilen.
  • Ermutigen Sie Ihre Leute ausdrücklich dazu, sich gegenseitig um Hilfe zu bitten.
  • Erste Anzeichen von Mobbing gehören sofort unterbunden, nicht beobachtet.

Die Stimmung im Team ist mau, und schon landet die Frage auf dem Tisch: Welches Event buchen wir? Floßbau, Bowling, Bogenschießen oder doch der gemeinsame Kochkurs? Die Auswahl ist riesig, und jeder Anbieter verspricht Ihnen, dass danach alle an einem Strang ziehen.

Ich halte das für die falsche Reihenfolge. Teambuilding ist der Prozess, in dem Ihre Mitarbeiter zu einem Team zusammenwachsen, in dem jeder nicht nur für sich, sondern auch für die anderen kämpft. Dieser Prozess findet dort statt, wo Ihre Leute den Großteil ihrer Zeit verbringen: bei der Arbeit. Und das heißt: Sie haben jeden Tag Gelegenheit, etwas dafür zu tun.

Warum die Wirkung von Teamevents so schnell verpufft

Jeder kennt die außergewöhnlichen Dinge, die Mitarbeiter gemeinsam tun sollen, damit Teamspirit entsteht: Paintball, Seifenkistenfahren, Klettern, Steak essen, Teamdrumming, Kicker-Turnier, Eisstockschießen. Die Anbieter preisen natürlich an, dass genau diese Art von Event den Teamgeist stärkt.

Solche Events machen Spaß. Man sieht die Kollegen und auch die Chefs einmal von einer ganz persönlichen Seite, und das ist wertvoll. Wer gemeinsam im Regen ein Floß zusammengebunden hat, redet am Montag anders miteinander als vorher.

Doch die Wirkung eines solchen Events verpufft relativ schnell. Nach zwei Wochen sitzen alle wieder in denselben Besprechungen, mit denselben unklaren Zuständigkeiten und demselben Kollegen, der jeden unterbricht. Das Event hat daran nichts geändert, weil es die Arbeit nicht berührt hat. Wenn der Zusammenhalt dauerhaft halten soll, muss er dort entstehen, wo Ihr Team täglich zusammenarbeitet.

Teamgeist entsteht bei der Arbeit: Ziel und Teamgröße

Bevor einzelne Maßnahmen greifen, braucht Ihr Team zwei Grundlagen. Die erste ist das Ziel. Worauf arbeitet dieses Team eigentlich hin? Diese Frage muss klar von Ihnen beantwortet werden, nicht geraten. Solange der eine glaubt, es gehe um Tempo, und der andere vor allem auf Genauigkeit achtet, ziehen beide in verschiedene Richtungen, ohne dass einer von beiden etwas falsch macht. Damit so ein Ziel auch wirklich trägt, hilft es, Ziele messbar zu formulieren, statt es bei einer Absichtserklärung zu belassen.

Die zweite Grundlage wird in den üblichen Ratgeberlisten fast immer vergessen: die Teamgröße. Ein Team darf nicht zu groß sein. Es sollte so klein bleiben, dass jeder jeden kennt. Wenn in der Montagsrunde Gesichter sitzen, deren Aufgaben Sie selbst nicht benennen könnten, dann kennen die Leute sich untereinander erst recht nicht. Und für einen Kollegen, dessen Arbeit man nicht kennt, springt man auch nicht ein.

Zwei Kästen mit klarem Ziel und Teamgröße, deren Pfeile nach oben auf den Kasten Teamgeist zeigen
Zwei Grundlagen tragen den Teamgeist: ein klar benanntes Ziel und ein Team, das klein genug bleibt.

Zusammenhalt im Team verbessern: die Hebel im Tagesgeschäft

In der täglichen Zusammenarbeit haben Sie mehrere Hebel in der Hand:

  • Beteiligen Sie das Team an der Wochen- und Monatsplanung, statt die fertige Planung zu verkünden.
  • Sorgen Sie für eine faire Kommunikationsweise, indem Sie zu Beginn der Besprechung ansagen: „Wir reden hier über die Sache, nicht über Personen.“
  • Achten Sie darauf, dass jeder ausreden darf, auch der Leiseste in der Runde.
  • Lassen Sie nicht alles in Einzelarbeit erledigen.
  • Unterbinden Sie erste Anzeichen von Mobbing.
  • Halten Sie die Tür offen, damit Mitarbeiter zu Ihnen kommen können, wenn es Probleme gibt.
  • Machen Sie Ihre Kollegen explizit darauf aufmerksam, dass sie sich gegenseitig um Hilfe bitten dürfen.

Zwei dieser Punkte unterschätzen Führungskräfte gern. Der erste ist die Einzelarbeit. Wenn jede Aufgabe einem Einzelnen zugewiesen wird, arbeiten am Ende zehn Menschen nebeneinander her und niemand erlebt, dass er auf die anderen angewiesen ist. Geben Sie deshalb bewusst Aufgaben an zwei Leute statt an einen.

Der zweite Punkt ist die Bitte um Hilfe. Viele Mitarbeiter trauen sich nicht, einen Kollegen anzusprechen, weil sie fürchten, als überfordert zu gelten. Sagen Sie es deshalb ausdrücklich: „Fragen Sie die anderen, dafür sitzen wir zusammen.“

Gemeinsame Pausen und gefeierte Erfolge schaffen ein gutes Teamklima

Neben der Arbeit selbst braucht ein Team wiederkehrende Gelegenheiten, bei denen die Menschen hinter den Rollen sichtbar werden.

Sorgen Sie für gemeinsame Kaffeepausen, die Ihre Mitarbeiter für Privatgespräche nutzen können. Wer weiß, dass der Kollege gerade ein Haus renoviert oder ein krankes Kind zu Hause hat, geht anders mit ihm um. Dazu kommen regelmäßige Treffen wie ein Stammtisch, bei dem man nach der Arbeit entspannen kann. Solche wiederkehrenden Gelegenheiten gehören zu der Liste, die ich in meinem Buch für das Team-Building bei der Arbeit zusammengestellt habe.

Feiern Sie außerdem Erfolge gemeinsam. Ein abgeschlossenes Projekt, ein gewonnener Kunde, eine überstandene Umstellung: Das sind Anlässe, bei denen das Team erlebt, dass es gemeinsam etwas geschafft hat. Wenn Erfolge kommentarlos abgehakt werden, bleibt am Ende nur die Liste der nächsten Aufgaben.

Team-Workshops bringen fachlich etwas und verbinden gleichzeitig, weil sich das Team dort gemeinsam weiterbildet und alle zugleich Anfänger im neuen Thema sind, Sie eingeschlossen.

Teamgeist stärken: machen Sie die Zusammenarbeit zum Thema der Teamsitzung

Es sollte regelmäßige Teamsitzungen geben, in denen gemeinsam überlegt wird, wie man als Team intensiver zusammenarbeiten kann.

So setzen Sie das ab nächster Woche um. Nehmen Sie Ihren Jour fixe, also die feste wöchentliche Teambesprechung, und hängen Sie am Ende einen festen Punkt an die Agenda, zehn Minuten reichen. Stellen Sie dort zwei Fragen: „Wo hat unsere Zusammenarbeit diese Woche gehakt?“ und „Was nehmen wir uns dazu für die nächste Woche vor?“ Halten Sie die Antwort in einem Satz fest, etwa: „Ab Montag schreibt jeder seinen Status bis Donnerstagmittag ins gemeinsame Dokument.“ In der nächsten Sitzung schauen Sie zuerst, ob es funktioniert hat. Entscheidend ist, dass dieser Punkt regelmäßig auf der Agenda steht.

Manchmal kommt in dieser Runde heraus, dass es zwischen zwei Kollegen knirscht. Bevor Sie eingreifen, lohnt sich ein Blick darauf, welche Art von Konflikt dahintersteckt. Die meisten dieser Hebel lassen sich ohne großen Aufwand in jeden Arbeitstag einbauen, und schon das hebt den Teamgeist spürbar. Kommt von Zeit zu Zeit noch ein schönes Firmenevent dazu, Bowling zum Beispiel, ist das ein schöner Bonus. Ihr Fokus sollte nur darauf liegen, sich täglich in der Arbeit für den Teamgeist einzusetzen.

Reihe aus vier Kästen mit Pfeilen: Jour fixe, fester Punkt, ein Satz, nächste Sitzung
Der feste Agendapunkt im Jour fixe führt zu einer Vereinbarung in einem Satz, die in der nächsten Sitzung geprüft wird.

Häufige Fragen

Was macht Teamgeist aus?

Teamgeist zeigt sich daran, dass jeder nicht nur für sich, sondern auch für die anderen kämpft. Dafür braucht es ein Ziel, das alle kennen, eine faire Art miteinander zu reden, die Selbstverständlichkeit, Kollegen um Hilfe zu bitten, und Erfolge, die gemeinsam gefeiert werden.

Was macht ein Team zum Team?

Ein gemeinsames Ziel, das klar kommuniziert ist, und eine Größe, bei der sich alle untereinander kennen. Dazu kommt echte Zusammenarbeit: Wenn alles in Einzelarbeit erledigt wird, arbeiten Menschen nebeneinander her, statt miteinander. Und es gehört dazu, dass Kollegen sich gegenseitig um Hilfe bitten dürfen.

Wir planen ein Teamevent, weil die Stimmung im Team nicht gut ist. Bringt so ein Event überhaupt etwas Nachhaltiges?

Spaß bringt es, und man sieht sich einmal von einer persönlichen Seite. Die Wirkung verpufft aber relativ schnell, und eine schlechte Stimmung hat meist Ursachen in der Arbeit, die ein Kochkurs nicht berührt. Suchen Sie deshalb zuerst nach diesen Ursachen im Arbeitsalltag. Ein Beispiel dafür sind erste Anzeichen von Mobbing, die Sie sofort unterbinden sollten. Das Event können Sie zusätzlich machen, als Bonus.

Welche lustigen Ideen gibt es für Teamevents?

Vom Paintball über den gemeinsamen Kochkurs bis zum Floßbau oder Eisstockschießen ist die Palette groß. Suchen Sie sich aus, was zu Ihren Leuten passt. Betrachten Sie es als schönen Bonus zu dem, was Sie täglich in der Arbeit für den Teamgeist tun.

Porträt von Wladislaw Jachtchenko
Zur Person

Über Wladislaw Jachtchenko

Wladislaw Jachtchenko kam mit 10 Jahren nach Deutschland.

Vom Musterschüler in der Ukraine wurde er plötzlich Klassenschlechtester. Denn er war des Deutschen nicht mächtig.

Schon damals wurde ihm bewusst: Wenn man seine Kompetenz nicht kommunizieren kann, bleibt man weit unter seinen Möglichkeiten.

Durch diese Erkenntnis und harte Arbeit wurde seine größte Schwäche zu seiner größten Stärke.

Inzwischen ist er mehrfach ausgezeichneter Kommunikations-Experte, TOP-Speaker in Europa, Bestseller-Autor und gefragter Business Coach.

Er hält Vorträge, trainiert und coacht seit 2007 Politiker, Führungskräfte und Mitarbeiter namhafter Unternehmen wie Allianz, BMW, Pro7, Westwing, 3M und viele andere.

Mehr über Wladislaw JachtchenkoWebsite: wlad-jachtchenko.com

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