Laissez-faire gelingt nur mit Mitarbeitern, die sich selbst antreiben
Veröffentlicht am von Wladislaw Jachtchenko · 4 Min. Lesezeit
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Kurz gesagt
Führung ganz ohne feste Vorgaben funktioniert, solange Ihre Mitarbeiter sich selbst antreiben. Laissez-faire bringt dann hohe Zufriedenheit, ein lockeres Klima und viel Kreativität. Fehlt der innere Antrieb, bleiben fehlende Disziplin und ein chaotisches Durcheinander.
Das Wichtigste in Kürze
- Maximale Freiheit heißt in der Praxis: keine festen Arbeitszeiten, keine festen Urlaubstage, selbst gewählte Aufgaben.
- In einigen Unternehmen bestimmt sogar das Team das Gehalt, innerhalb eines Rahmens und nach Leistungsmaßstäben, die das Unternehmen vorgibt.
- Der Stil steht und fällt mit dem inneren Antrieb der Mitarbeiter, nicht mit dem guten Willen der Führungskraft.
- Erfolgreiche Start-ups geben ihrem Unternehmen bewusst einen größeren Sinn und eine Mission, damit das Team engagiert bleibt.
- In kreativen Abteilungen und jungen Unternehmen ist dieser Stil Erfolg versprechend, nicht automatisch in jeder Abteilung.
Führung ohne Vorgaben hat einen schlechten Ruf, und oft zu Recht. Doch es gibt Unternehmen, in denen genau das funktioniert: Die Mitarbeiter entscheiden selbst, wann sie arbeiten, wie lange sie Urlaub machen und woran sie als Nächstes sitzen.
Welcher Stil taugt, entscheidet sich an den Menschen, die Sie führen, und die Wirkung ist groß: auf die Leistung Ihres Teams ebenso wie auf die Stimmung im Büro. Beim Laissez-faire-Stil hängt alles daran, ob Ihre Mitarbeiter sich selbst antreiben. Wer das übersieht, gibt nur Kontrolle ab und bekommt Durcheinander zurück.
Was Laissez-faire-Führung im Arbeitsalltag konkret bedeutet
Laissez-faire kommt aus dem Französischen und heißt wörtlich "machen lassen". Im Unternehmen bedeutet das: Der Mitarbeiter bekommt größtmögliche Freiheit.
Viele Unternehmen im Silicon Valley machen vor, was in deutschen Firmen komplett unvorstellbar ist. Dort gibt es keine festen Arbeitszeiten und keine festen Urlaubstage. Die Mitarbeiter nehmen sich Urlaub, wann und wie lange sie wollen. Auch feste Wochenarbeitszeiten existieren nicht. Sie bestimmen selbstständig, woran sie arbeiten.
Was bleibt dann von der Führungskraft übrig? Der Vorgesetzte ist nur über die allgemeinen Entwicklungen informiert. Und er lässt sich am liebsten mit dem Vornamen ansprechen statt mit "CEO" oder "Manager". Der Titel auf der Visitenkarte spielt in solchen Firmen also kaum eine Rolle. Stellen Sie sich das in Ihrer Abteilung vor: kein Urlaubsantrag auf Ihrem Schreibtisch, keine Zeiterfassung, keine Aufgabenverteilung durch Sie. Sie sehen dann auch nicht mehr, wer um neun am Schreibtisch sitzt und wer erst am Nachmittag anfängt. Sie erfahren, wie es um die allgemeine Entwicklung steht, und nicht, wer heute an welcher Aufgabe saß.
Welche Vorteile maximale Freiheit Ihrem Team bringt
Der größte Vorteil ist die hohe Arbeitszufriedenheit durch größtmögliche Selbstbestimmung. Wer selbst entscheidet, wann er arbeitet und woran, erlebt seine Arbeit als seine eigene Sache. Der Kollege, der morgens um sechs am besten denken kann, fängt um sechs an. Die Kollegin, die ihr Kind in die Kita bringt, beginnt um zehn und arbeitet dafür abends weiter.
Dazu kommt ein super lockeres Arbeitsklima. Wenn niemand kontrolliert, wer wann am Schreibtisch sitzt, verschwindet ein ganzer Teil der üblichen Spannungen im Büro. Keiner rechtfertigt sich für einen späten Start, keiner zählt die Urlaubstage des Kollegen nach.
Und schließlich entsteht zumindest potenziell eine nahezu grenzenlose Kreativität. Wenn Ihre Leute selbst bestimmen, wann und woran sie arbeiten, können sie Ideen dann verfolgen, wenn sie da sind. Denken Sie an eine Entwicklerin, die abends um zehn ihre beste Idee hat und gleich damit weitermacht, statt bis zum nächsten Morgen zu warten.
Deshalb ist dieser Stil gerade in kreativen Abteilungen und in jungen Unternehmen durchaus Erfolg versprechend. Viele millionenschwere Start-ups aus dem Silicon Valley beweisen das eindrucksvoll. Das heißt aber auch: Diese Vorteile sind an ein bestimmtes Umfeld gebunden. Eine Abteilung, in der vor allem verlässliche Abläufe zählen, profitiert davon weniger als ein Team, das Neues entwickeln soll.
Warum Führung ohne Vorgaben oft im Chaos endet
Die Nachteile dieses Stils sind vor allem die fehlende Disziplin und ein chaotisches Durcheinander.
Niemand fühlt sich für die langweilige Dokumentation zuständig. Zwei Kollegen arbeiten drei Wochen am selben Thema, ohne es zu merken. Der Kunde ruft an und erreicht niemanden, weil alle gerade ihre freie Zeiteinteilung nutzen. Und Sie als Führungskraft bekommen das spät mit, denn Sie sind ja nur über die allgemeinen Entwicklungen informiert.
Dieser Stil ist sehr abhängig von der intrinsischen Motivation der Mitarbeiter, also von dem Antrieb, der aus ihnen selbst kommt und nicht aus Ihrer Ansage, aus einer Frist oder aus einem Bonus. Wer aus eigenem Interesse an einer Sache arbeitet, braucht keine Vorgabe. Wer das nicht tut, nutzt die Freiheit anders.
Damit hängt der gesamte Stil an einer Bedingung, die Sie nicht per Anweisung herstellen können. Sie können Arbeitszeiten freigeben, Urlaubsregeln streichen und Aufgaben zur freien Wahl stellen. Den inneren Antrieb Ihrer Mitarbeiter können Sie so nicht erzeugen. Fehlt dieser Antrieb im Team, bleibt die Frage, wie viel Vorgabe Ihre Leute brauchen; der Gegenpol zur völligen Freiheit sind klare Ansagen von oben.

Sinn und Mission: Womit Start-ups die Motivation sichern
Genau deshalb bemühen sich erfolgreiche Start-ups um etwas, das von außen oft wie Marketing wirkt. Sie geben dem Unternehmen einen größeren Sinn und eine Mission in der Welt, um die Mitarbeiter aktiv und engagiert zu halten.
Dieser Sinn ersetzt die Kontrolle, auf die Sie verzichten. Wer morgens selbst entscheidet, ob und woran er arbeitet, braucht einen Grund dafür. Ein Gehalt allein liefert diesen Grund nicht, wenn niemand die Stunden zählt. Ein Zweck, den die Mitarbeiter teilen, liefert ihn.
Für Sie heißt das: Bevor Sie Zeiteinteilung oder Aufgabenwahl freigeben, schreiben Sie in einem Satz auf, wozu die Arbeit Ihres Teams über das Tagesgeschäft hinaus gut ist. Wofür gibt es Ihre Abteilung, abgesehen von den Tickets, die heute abgearbeitet werden? Ein Satz genügt.
Und dann sagen Sie diesen Satz laut, im nächsten Teammeeting. Sie planen für das Montagsmeeting die Ankündigung, dass Ihr Team die Arbeitszeiten künftig selbst einteilt? Dann notieren Sie sich vorher diesen einen Satz und stellen ihn der Ankündigung voran. Aufgeschrieben haben Sie ihn im Meeting sofort parat, statt ihn erst suchen zu müssen. Welcher Stil am Ende zu Ihren Mitarbeitern passt, finden Sie selbst heraus; die gängigen Führungsstile mit ihren Vor- und Nachteilen stelle ich in meinem Buch vor.

Häufige Fragen
Was bedeutet "laissez-faire"?
Im Französischen heißt es wörtlich "machen lassen". Im Führungsalltag bedeutet es, dass der Mitarbeiter größtmögliche Freiheit bekommt: Er bestimmt selbstständig, woran er arbeitet, wann er arbeitet und wann er Urlaub nimmt.
Welche Beispiele gibt es für den Laissez-faire-Führungsstil?
Millionenschwere Start-ups aus dem Silicon Valley zeigen, dass dieser Stil tragen kann. Dort entscheiden die Mitarbeiter selbstständig, woran sie arbeiten, und der Vorgesetzte ist nur über die allgemeinen Entwicklungen informiert. In einigen Firmen legt sogar das Team das Gehalt fest, in einem definierten Rahmen und nach bestimmten Leistungskriterien.
Welche Vor- und Nachteile hat ein Laissez-faire-Führungsstil?
Für den Stil sprechen Zufriedenheit, Arbeitsklima und Kreativität. Dagegen stehen fehlende Disziplin und ein chaotisches Durcheinander. Ob die Vorteile oder die Nachteile überwiegen, entscheidet der innere Antrieb Ihrer Mitarbeiter.
Ich überlege, meinem kreativen Team maximale Freiheit zu geben, inklusive freier Zeiteinteilung. Kann das funktionieren oder endet das im Chaos?
In kreativen Abteilungen und jungen Unternehmen ist dieser Stil durchaus Erfolg versprechend, denn Selbstbestimmung bringt dort Zufriedenheit und Kreativität. Entscheidend ist, wie stark Ihre Mitarbeiter sich selbst antreiben. Erfolgreiche Start-ups stützen diesen Antrieb mit einem größeren Sinn und einer Mission, die das Team engagiert hält. Schreiben Sie deshalb vor dem Meeting, in dem Sie die freie Zeiteinteilung ankündigen, in einem Satz auf, wozu die Arbeit Ihres Teams gut ist, und stellen Sie diesen Satz der Ankündigung voran.
